Die ARD muss nach dem Reformstaatsvertrag die Zahl ihrer Radiosender reduzieren. SWR, HR und SR gehen nun voran - und starten ein gemeinsames neues Jugendradio, das ihre bisherigen jungen Wellen ersetzt. Die Programmleitung liegt beim SWR.
Frankfurt a.M. (epd). Unter dem Namen DasDing starten der Südwestrundfunk (SWR), der Hessische Rundfunk (HR) und der Saarländische Rundfunk (SR) am 1. Juni ein neues gemeinsames Jugendradio. Der Sender löst die bisherigen jungen Wellen DasDing (SWR), YouFM (HR) und UnserDing (SR) ab, wie die ARD am Dienstag mitteilte. Der Senderverbund setzt damit die politische Vorgabe um, die Zahl seiner Radiosender zu reduzieren.
Ziele der Kooperation sind nach Angaben der Sender mehr Zusammenarbeit und ein „klarer Mehrwert für das Publikum“. HR, SWR und SR bündelten ihre Kräfte, um ein konkurrenzfähiges Angebot für junge Menschen zu schaffen. Durch die Synergien im Verbund könnten aufs Jahr gesehen knapp 1,8 Millionen Euro im linearen Programm gespart werden, der HR spare mit etwa 1,6 Millionen Euro am meisten. Gemäß der bereits 2024 vorgestellten HR-Radiostrategie werde der Großteil davon künftig für digitale Produkte für die junge Zielgruppe verwendet.
Redaktionen arbeiten standortübergreifend
Bei den freien Mitarbeitenden des HR, die künftig weniger Einsätze für die junge Welle bekommen, bemühe sich der Sender um alternative Beschäftigungsangebote im Haus, hieß es auf Anfrage. Bei den Angestellten mit Zeitvertrag könne es dazu kommen, dass auslaufende Verträge nicht erneut vergeben werden. Dies betreffe aber schon jetzt „sehr wenige Angestellte“.
Das neue DasDing sendet von den drei Standorten Baden-Baden, Frankfurt am Main und Saarbrücken. Die Redaktionen arbeiten standortübergreifend. Die Programmleitung wird vom SWR verantwortet, derzeit läuft eine Ausschreibung. Die Teamleitung Musik und der Digitalbereich werden beim SWR liegen, die Teamleitung Wort und Planung bei SWR und SR. Der HR ist für Programmaktionen sowie Planung, Projekte und Reporter zuständig.
In dem Programm sollen die unterschiedlichen Sendegebiete regelmäßig vorkommen, unter anderem durch regionalisierte Nachrichten. Dazu wird es in der Zeit von 6 Uhr bis 18 Uhr Auseinanderschaltungen geben. Nachmittags von 14 bis 18 Uhr wird es eine eigene Sendestrecke für das Saarland geben, die aber die Musik und Programmaktionen aus dem gemeinsamen Programm nutzt.
Angebote auf Social Media und Podcast-Plattformen
Eine Kooperation in dieser Größenordnung sei bei ARD-Radios bisher einmalig, betonten die Sender. Zudem starte das neue Jugendradio ein halbes Jahr früher als vorgesehen. SWR und SR kooperieren bisher schon bei ihren jungen Wellen.
Das neue DasDing wird den Angaben zufolge auch mit digitalen Angeboten auf Social Media und Podcast-Plattformen die junge Zielgruppe ansprechen. Boris Theobald von der Pop-Unit des SR sagte dem epd, man wolle eine eigene Community für das Programm aufbauen. Mira Seidel, Leiterin der Pop-Unit des SWR, verwies auf veränderte Mediennutzungsgewohnheiten in der jungen Zielgruppe, die man mit dem neuen Sender berücksichtige. Im Juni gehe eine „eigene, neue Welle“ an den Start.
Jan Vorderwülbecke, Leiter der Pop-Unit des HR, betonte, dass die ARD mit dem Projekt nicht nur auf politische Vorgaben reagiere: „Beim HR hatten wir schon vor über sechs Jahren die Idee, beim jungen Programm mit Partnern im Südwesten zu kooperieren.“
Der im Dezember in Kraft getretene Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schreibt vor, dass die ARD bis 2027 von den aktuell 69 terrestrisch verbreiteten Radiowellen nur noch 53 unterhalten darf. Kooperationsprogramme werden dann als halbe Programme der jeweiligen Anstalten gezählt. HR, SWR und SR wollen auch bei ihren Info-Wellen kooperieren.