An Karneval oder Fasching halten die Narren den Mächtigen der Welt einen Spiegel vor. Mit Spott und Satire kommentieren sie die politische Großwetterlage - auch am Rosenmontag 2026. Doch hinter dem Maskenspiel der Umzüge stehen ernste Botschaften.
Mainz, Düsseldorf, Köln (epd). Bunte Wagen voll Hohn und Spott: In Mainz, Düsseldorf und Köln haben die Rosenmontagszüge auf dem Höhepunkt der Straßenfastnacht die Weltpolitik und lokale Affären ins Visier genommen - von Trump und Putin über Bundeskanzler Merz (CDU) und die AfD. Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ließ sich von einem russischen Gerichtsverfahren nicht einschüchtern und reagierte mit pointierter Satire. Trotz Schneematsch und Regenschauer feierten Hunderttausende Menschen in den drei Karnevalshochburgen am Rhein den Höhepunkt der diesjährigen Kampagne.
In Mainz gab es beim Umzug mehr als 9.000 Mitwirkende. Die politischen Motivwagen dort gaben Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und seine Vorliebe für Fleisch sowie US-Präsident Donald Trump dem Spott preis. Der Personalmangel bei der Bundeswehr inspirierte die Wagenbauer zu dem Vorschlag, rüstige Rentner mit „Kampfrollator“ ins Feld zu schicken. Die übermächtigen sozialen Netzwerke TikTok und Instagram wurden in Mainz zur Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch, die den hypnotisierten Mogli erdrückt.
In den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf nahmen die Jecken mit ihren politischen Mottowagen neben Trump auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie das Regime im Iran aufs Korn und lenkten den Blick auf soziale Themen.
Laut Polizei gab es in beiden Städten bis zum Nachmittag keine ungewöhnlichen Zwischenfälle. „Es ist ruhig, friedlich und ausgelassen wie immer“, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchen haben sich ebenfalls an den Zügen beteiligt: In Düsseldorf war ein Toleranzwagen der Religionsgemeinschaften Teil des Zugs, auf dem auch der rheinische Präses Thorsten Latzel mitfuhr.
Solidarität mit Wagenbauer Tilly
Tilly griff den Moskauer Prozess gegen ihn wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane explizit mit einem Persiflagewagen auf, auf dem Putin die zentrale Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz aufspießt. Das rot-weiße Männchen trägt einen Satire-Hut und schlägt Putin mit einer Narrenpritsche. Zwei weitere Tilly-Wagen persiflierten den russischen Präsidenten: Einmal steuert er eine AfD-Drohne mit dem Kopf von Parteichefin Alice Weidel. Ein weiterer Wagen zeigte Putin, der gemeinsam mit Trump Europa verschlingt. Im Kölner Rosenmontagszug drückte ein Schild „Mer ALL sin Tilly“ („Wir alle sind Tilly“) Solidarität mit dem Düsseldorfer Wagenbauer aus.
Satire zu US-Einwanderungspolitik und Iran
Ein Wagen in Düsseldorf zeigte Trump mit Jesus: Dabei schlägt der US-Präsident mit seinem „ICE“-Arm in Jesus' Gesicht, auf dessen Gewand „Love & Humanity“ (Liebe & Menschlichkeit) steht. Die Abkürzung ICE steht für die US-Einwanderungsbehörde. Die Proteste der Menschen im Iran gegen das Mullah-Regime waren in beiden Städten Thema. Auch die Bundespolitik wird in den Zügen aufs Korn genommen: In Düsseldorf reitet Bundeskanzler Merz (CDU) etwa mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) auf einem Verbrenner-Dinosaurier.
Der Mainzer Carneval-Verein rechnete für den 7,2 Kilometer langen Marsch durch das Zentrum der Landeshauptstadt mit mehr als 600.000 Zuschauern. Die Polizei sprach in einem Zwischenfazit davon, der Rosenmontag sei „fröhlich und zumeist friedlich“ gefeiert worden.
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