Wenn Menschen auf der Straße leben, schämen sie sich nicht selten für ihr Aussehen. Ehrenamtliche der weltweiten Organisation „Barber Angels“ frisieren seit einigen Jahren kostenlos Wohnungslose und Bedürftige. Damit wollen sie ein Zeichen für Menschlichkeit, Würde und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Auch in Bayern sind sie aktiv, von Nürnberg bis Garmisch, von der Bahnhofsmission bis zur Vesperkirche. Zum ersten Mal waren sie jetzt in Nürnberg bei der Jugend- und Drogenhilfe Mudra zum Haareschneiden. Markus Gühring (48), Schriftführer des Vereins aus Schwabach, erklärt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), was ihre Hilfe so wertvoll macht.
epd: Herr Gühring, neun „Engel“ waren kürzlich in Nürnberg am Werk. Was hat sie bei ihrem Einsatz besonders berührt?
Markus Gühring: Wir erleben bei unserer ehrenamtlichen Arbeit immer wieder berührende Momente, auch in Nürnberg, wo wir kürzlich 20 Personen die Haare schneiden durften. Besonders betroffen hat uns aber ein Aushang in der Mudra gemacht mit den Namen 40 von Verstorbenen. Diese Menschen waren zwischen 17 und 69 Jahre alt - alle viel zu jung, um zu sterben. Uns hat das auf erschütternde Weise gezeigt, wie hart die Lebensrealität mancher Menschen ist. Unter den Verstorbenen waren Jugendliche, genauso wie Frauen und Männer mittleren Alters, die im Grunde aus dem Leben leise „verschwunden“ sind. Umso wichtiger scheint es uns, hinzuschauen und die Menschen nicht zu vergessen.