Seit seine Frau einen Schlaganfall hatte und weniger mobil ist, kümmert sich Ernst Sporer um die meisten Erledigungen. In unmittelbarer Nähe seines Wohnortes im Erlanger Gemeindeteil Dechsendorf gibt es keinen Supermarkt „und ein Auto haben wir auch nicht mehr. Deshalb müssen wir mit dem Bus fahren“, sagt der Rentner. Mit seinem Rollator war es bisher aber immer ein wenig unsicher. Wie kann man gut ein- und aussteigen, vor allem in der Hektik an der Bushaltestelle?
„Am besten suchen Sie sich Uhrzeiten aus, zu denen nicht so viel los ist. Also nicht, wenn die Schule anfängt oder endet“, rät Ergotherapeut Philipp Elb. Er leitet das Rollator-Training der Erlanger Volkshochschule. An diesem regnerischen Morgen haben die Erlanger Stadtwerke extra einen Stadtbus samt Fahrerin bereitgestellt, damit die angemeldeten Seniorinnen und Senioren in Ruhe üben können. Elb führt an einem der mitgebrachten Rollatoren zunächst die Handhabung vor.
Viele kennen sich mit ihrem Rollator nicht aus
„In den letzten Jahren habe ich oft erlebt, dass die Leute nicht wissen, wie sie mit ihrem Rollator richtig umgehen oder die Geräte nicht verkehrssicher sind“, erzählt Elb, der den Kurs seit vier Jahren anbietet. Am Anfang erklärt er daher die Basics: zusammen- und wieder auseinanderfalten, Bremse betätigen und feststellen, die Ankipphilfe am Rad richtig bedienen. „Bisher habe ich immer den ganzen Stuhl hochgehoben. Aber wenn ich ihn beim Einsteigen vorn hochziehen kann, geht es viel einfacher“, stellt Ernst Sporer begeistert fest.
Für Tipps im Bus, etwa wo der beste Sitzplatz ist, ist Daniela Geyer von der Polizei Erlangen dabei. „Seniorinnen und Senioren stehen im Straßenverkehr vielen Hürden gegenüber und wir wollen sie dabei unterstützen, im Alltag mobil zu bleiben.“ Wie wichtig diese Unterstützung für die älteren Menschen ist, zeige sich bei den Teilnehmenden des Kurses: „Viele kommen immer wieder, weil sie diese Hilfe für ihren Alltag dringend brauchen“, sagt die Polizistin.
Unterstützung durch Personal nötig
Laut des Berichts „Mobilität in Deutschland“ des Bundesverkehrsministeriums von 2023 beträgt der Anteil mobilitätseingeschränkter Personen ab 60 Jahren beinahe 20 Prozent. Bei den über 80-Jährigen ist mehr als die Hälfte betroffen. Geheinschränkungen kommen dabei am häufigsten vor.
Damit diese Menschen mobil bleiben können, sind sie oft auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen - und auf das Verständnis von Busfahrerinnen wie Nancy Angerer. „Ich warte natürlich, bis sie am Platz sitzen, bevor ich losfahre, oder steige aus zum Helfen“, sagt sie. Sie rät älteren Menschen, immer den blauen Knopf an der Bustür oder im Innenbereich zu drücken. „So bekommen wir vorn einen Hinweis, dass jemand mehr Zeit oder Hilfe braucht.“
Kostenlose Bustrainings für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl gibt es mittlerweile in vielen Städten, wie München, Göttingen, Rostock oder Köln. Angeboten werden sie von Vereinen, Volkshochschulen oder Initiativen - immer in Kooperation mit den Verkehrsbetrieben.
Training zu Hause fortführen
Uschi Sparth ist mit ihrer Mutter Ingrid gekommen. Diese hatte sich bisher noch nicht getraut, allein mit dem Rollator das Busfahren auszuprobieren. Das soll sich nun ändern, „damit sie auch mal zum Arzt gehen kann, der zwei Haltestellen weiter ist“, erklärt die Tochter. „Weil ich selbstständig sein will“, fügt die Mutter hinzu. Ihr haben die praktischen Übungen sehr geholfen. „Jetzt muss ich es nur noch verinnerlichen.“
Das wünscht sich auch Philipp Elb. „Man muss es zu Hause üben. Das ist wie Auto fahren, man braucht theoretische und praktische Übung.“ Besonders freut sich Elb über die Rückmeldungen der Teilnehmenden. „Es ist viel Dankbarkeit dabei und viele genießen es, Gleichgesinnte zu finden und sich miteinander auszutauschen.“ (2960/23.10.2026)
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