Körperspenden: Der Körper als Geschenk für Medizin-Studierende
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Der Koerper als Geschenk fuer Medizin-Studierende
Erlangen (epd).

Rund 400 Menschen sind an diesem Tag auf den Erlanger Zentralfriedhof gekommen. Sie alle nehmen Abschied von 50 Menschen, die nach dem Tod ihren Körper dem Institut für Anatomie der Universität Erlangen-Nürnberg überlassen haben - für die Ausbildung von jungen Medizinstudierenden oder angehenden Fachärztinnen und -ärzten. Der Tod der Verstorbenen liegt oft schon viele Monate oder mehr als ein Jahr zurück.

„Die Feier ist ein Meilenstein im Trauerprozess für die Angehörigen“, sagt Seelsorger und Pfarrer Frank Nie, der die Zeremonie gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Thomas Schimmel gestaltet. Gerade weil zwischen Tod und Beisetzung oft viele Monate liegen, bedeute dieser Tag für die Angehörigen viel. Hier bekomme die Trauer einen festen Ort und einen gemeinsamen Abschluss.

Präparierkurs ist wichtiger Teil der Ausbildung

Lars Bräuer ist Leiter des „Körperspendewesens“ an der Friedrich-Alexander-Universität. Dem Institut für Anatomie sei es wichtig, den Verstorbenen und ihren Angehörigen Wertschätzung entgegenzubringen und Dank auszudrücken, sagt der Professor. In der Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte gilt: „Nichts ersetzt den menschlichen Körper.“ Kein Lehrbuch und kein digitales Modell könne vermitteln, wie sich Gewebe anfühle oder wie komplex der Körper aufgebaut sei. Diese Arbeit sei oft die erste Patientenberührung für die Studierenden.

Die angehenden Mediziner und Medizinerinnen arbeiten im sogenannten Präparierkurs rund drei Monate in Kleingruppen an einem Leichnam. Sie untersuchen Muskeln, Gewebe und Organe und lernen den menschlichen Körper Schicht für Schicht kennen. Persönliche Daten der Körperspender erhalten sie nicht.

In diesem Jahr sind mehr als 250 Studierende zur Beerdigung gekommen. Sie versammeln sich vor der Friedhofskapelle und gestalten die Trauerfeier maßgeblich mit - mit musikalischen Beiträgen und einer Dankesrede: „Wir trafen auf Menschen, die nichts mehr sagen konnten, und uns doch mehr gelehrt haben als die meisten anderen. Nichts kann ersetzen, was uns diese Menschen geschenkt haben.“ Als die Trauerfeier endet, gehen die Angehörigen nach draußen. Die Studierenden bilden ein Spalier. Schweigend stehen sie rechts und links des Weges, während die Familien und Freunde der Verstorbenen zum Grab gehen.

Gründe für das Spenden des eigenen Körpers

Die Gründe, seinen Körper zu spenden, sind unterschiedlich: „Ich habe mich dafür entschieden, nachdem meine Tochter an der Autoimmunerkrankung Lupus gestorben ist“, erzählt eine zukünftige Körperspenderin, die anonym bleiben möchte. Sie selbst lebt mit Rheuma. Diese Schicksalsschläge haben ihren Blick auf Medizin und Forschung verändert. „Die Wissenschaft braucht Körper, an denen sie forschen kann“, sagt die 73-Jährige. Damit „diese Krankheiten besser behandelt werden können“.

Eine klassische Beerdigung oder ein Ort zum Trauern unmittelbar nach dem Tod seien ihr nicht wichtig. Sie wünsche sich eine Abschiedsfeier im kleinen Kreis: „Ein gemütliches Beisammensitzen mit Musik - nur eben ohne mich.“ Angst vor dem Tod habe sie nicht. Viel wichtiger sei ihr die Vorstellung, nach dem eigenen Tod noch etwas beitragen zu können.

Manche Körperspender haben auch pragmatische Gründe, erklärt der Anatom Lars Bräuer: „Wenn jemand verstirbt, ist es nicht nur emotional, sondern auch finanziell eine hohe Belastung.“ Das Institut für Anatomie erhebt keine Gebühr für die Körperspende und übernimmt alle Kosten der Beisetzung. Das ist für Angehörige eine finanzielle Entlastung, da Beerdigungen oft mehr als 6.000 Euro kosten können.

Zusammenarbeit mit Bestatter

Wer sich für eine Körperspende entscheidet, muss dem Institut ein Vermächtnis hinterlassen. Anschließend erhalten die Spender einen Körperspendeausweis. Körperspender werden kann jeder. Nach dem Tod werden die Leichname an das Anatomische Institut der Universität überführt. Dafür arbeitet diese mit Bestattungsunternehmen zusammen. Im Anschluss werden die Körper konserviert, damit sie für Lehre, Forschung und ärztliche Weiterbildung verwendet werden können.

Mit dem Abschied am Grab endet die diesjährige Trauerfeier auf dem Erlanger Zentralfriedhof. Für die Studierenden schließt der Tag einen Ausbildungsabschnitt ab, in dem sie erstmals intensiv mit dem menschlichen Körper gearbeitet haben - und mit dem Thema Tod in Kontakt kamen. Es war eine Erfahrung, die einen Grundstein für ihre weitere medizinische Ausbildung legt und die ohne Körperspender nicht möglich wäre. (2185/03.08.2026)

Von Nina Bundels (epd)