Auszeit für beide: Gemeinsam Urlaub machen trotz Demenz
s:68:"Annette Braun, Leiterin der evangelischen Familienerholung Sulzbürg";
Annette Braun, Leiterin der evangelischen Familienerholung Sulzbürg
Drei Fragen an Annette Braun von der Familienerholung Sulzbürg
Sulzbürg (epd).

Die meisten Menschen mit Demenz leben deutschlandweit zu Hause und werden von ihren Angehörigen gepflegt. Aktivitäten, die davor selbstverständlich waren, werden dann zunehmend schwieriger - auch das Verreisen. Die Familienerholungsstätte Sulzbürg in der Oberpfalz will den Betroffenen bei einer „Auszeit mit Herz“ wieder Erholung und mehr Zeit füreinander ermöglichen. Sie ist die zweite Erholungsstätte in Bayern, die sich auf Demenz spezialisiert hat und bei der Erkrankte und Angehörige gemeinsam Urlaub machen können, sagt Annette Braun, die Leiterin der evangelischen Familienerholung Sulzbürg. Die andere ist im oberbayerischen Langau. In Planung sei ein weiteres Angebot in Bad Alexandersbad.

Demenz: Alltägliches wird zur Herausforderung

Annette Braun: Das Leben verändert sich sehr stark, weil der Alltag von der Krankheit geprägt wird. Man kann demenziell Erkrankte immer weniger alleine lassen, bis man 24 Stunden in der Woche als Angehöriger präsent sein muss, um sicher zu sein, dass nichts schiefgeht. Es belastet psychisch ungemein, wenn man seinen eigenen Rhythmus nicht mehr leben, seine Freunde nicht treffen, nicht mehr seine eigenen Ziele verfolgen kann, weil man nur noch für den Partner oder einen Elternteil da sein muss. Viele Angehörige organisieren ihren gesamten Alltag neu, verzichten auf Freizeit und stellen eigene Bedürfnisse über lange Zeit zurück.

Auch sich in der Gesellschaft zu bewegen, wird generell immer schwieriger, weil die Erkrankten zunehmend auffällig in ihrem Verhalten werden, sich wie Kinder benehmen oder eigenartige Ticks bekommen. Da kann das einfache Essengehen zur Herausforderung werden. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto größer werden die Probleme: Wenn etwa ein schwarzer Fußabstreifer zum Problem wird, weil der demente Mensch glaubt, in ein schwarzes Loch zu fallen, wenn er draufsteigt.

Betreuung im Urlaub ermöglicht Auszeit für Angehörige

Hinzukommt, dass ein Austausch unter den pflegenden Angehörigen möglich wird. Zu sehen, dass es anderen Betroffenen ähnlich ergeht, Anregungen zu erhalten, wie man den Alltag besser organisieren kann, auch etwas für sich tun kann etwa mit Entspannungsmöglichkeiten, die wir anbieten, und nicht zuletzt den Kontakt zu den Menschen halten, die man bei uns kennengelernt hat, kann Erleichterung bringen.

Ehrenamtliche übernehmen Betreuung

epd-Gespräch: Gabriele Ingenthron