Expertin: Gründe für Essstörungen bei Jugendlichen sind vielfältig
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Erziehungswissenschaftlerin Sophia Rehm
Sophia Rehm von SOS-Kinderdorf arbeitet in Augsburg mit Betroffenen
Augsburg (epd).

Immer mehr junge Menschen leiden unter Essstörungen. Häufig bekommen sie nicht gleich einen Therapieplatz - oder wissen noch gar nicht, was ihnen fehlt. Hier setzen Beratungsstellen wie „Schneewittchen“ der Organisation SOS-Kinderdorf in Augsburg an, wo Jugendliche sich niederschwellig Hilfe holen können. Meist sind es Mädchen und junge Frauen mit Magersucht. Wie dort mit Erkrankten gearbeitet wird und wie sie wieder Selbstvertrauen entwickeln können, erklärt Erziehungswissenschaftlerin Sophia Rehm im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Frau Rehm, stellen Sie fest, dass der Beratungsbedarf wegen Essstörungen bei jungen Leuten zugenommen hat?

Sophia Rehm: Ja. Früher hatten Klienten bei uns innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Termin, nun dauert es oft vier bis fünf Wochen. Wir sind zwei Mitarbeitende - schon immer, seit „Schneewittchen“ vor fast 30 Jahren gegründet wurde. Schon damals hat die Beratungsstelle auf eine gesellschaftliche Entwicklung reagiert. Inzwischen sind wir fest etabliert. In der Eltern-Selbsthilfegruppe kommen Teilnehmende sogar aus dem Allgäuer Raum. Vergangenes Jahr hatten wir rund 370 Personen in der Beratung.

epd: Mit welchen Anliegen kommen die jungen Leute zu Ihnen?

Rehm: Wir beraten bis 27 Jahre. Je jünger die Jugendlichen sind, desto seltener kommen sie aus eigenem Antrieb. Viele Über-18-Jährige kommen zu uns, wenn sie verzweifelt einen Therapieplatz suchen. Wir sprechen oft über Entwicklungsthemen: den Übergang nach der Schule oder hohe Leistungsansprüche. Dabei können wir keine Psychotherapie ersetzen und bei einem Body-Mass-Index unter 16,5 auch nicht die Verantwortung tragen, die Jugendlichen zu beraten. Darum pflegen wir unser Netzwerk etwa mit dem Josefinum in Augsburg, dem TCE Therapie-Centrum für Essstörungen in München und der Schön Klinik Roseneck.

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