Mit Hirsch und Herz: Warum junge Menschen so gern Tracht tragen
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Katrin Weber mit mit einer Frauentracht aus dem Egerland.
Fränkische Trachtenforscherin über Wiesn-Trends und Dirndl-Boom
Stein, München (epd).

Dirndl, Lederhosen und karierte Hemden sind seit Jahren fester Bestandteil bei bayerischen Volksfesten - vor allem beim Münchner Oktoberfest, das am Samstag (19. September) startet. „Wer nicht in Tracht mitgeht, fällt fast aus dem Rahmen“, sagte Katrin Weber, Leiterin der Trachtenforschungs- und beratungsstelle Mittelfranken, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch in Franken bei der Erlanger Bergkirchweih oder dem Annafest in Forchheim werde inzwischen südbayerische Tracht getragen.

Soziologische Studien zeigten, dass vor allem die 18- bis 25-Jährigen in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten verstärkt Tracht tragen, sagte Weber. Auf Volksfesten gehöre die Kleidung längst zum Standard. Ausgerechnet die Globalisierung trage dazu bei, dass sich die Jugend auf ihre Wurzeln besinne. Junge Menschen, die ins Ausland reisten, dort studierten oder arbeiteten, hätten offenbar ein neues Verhältnis zur Heimat entwickelt, erklärte Weber. Sich mit der Geschichte der eigenen Kleidung zu beschäftigen, zeige auch: „Früher haben die Besitzer ihre Kleider teilweise bis zum Lebensende getragen, das war wirklich nachhaltig. “

Herzförmige Ausschnitte, längere Röcke, glänzende Schürzen

Auch die Tracht unterliegt Modetrends: „Momentan beobachten wir eine Vorliebe für herzförmige Ausschnitte, glänzende Schürzen und etwas längere Röcke“, sagte Weber. Die Form des Ausschnitts sei zum Beispiel immer wieder Thema, ob kantig, hochgeschlossen oder eben herzförmig. Wie viel Dekolleté eine Frau dabei zeige, sei hingegen Geschmackssache. „Ich würde mich dabei einfach an die Knigge-Regeln halten“, rät Weber.

Wer mit der Mode gehen will, trage das Dirndl in diesem Herbst außerdem wieder länger. Mindestens über die Knie solle es gehen, nachdem es die letzten Jahre sehr kurz ausgefallen war. Und: „Die Schürze muss glitzern und glänzen“, sagte Weber. Strasssteine und schimmernde Stickereien gehörten heuer einfach dazu. Woher solche Modewellen kommen, lasse sich nur schwer sagen. Einflüsse aus der aktuellen Mode, vom Laufsteg und aus sozialen Netzwerken wie Instagram spielten aber sicher eine Rolle. Zu kaufen gebe es Tracht beim Designer, bei Modeketten bis hin zum Discounter.

Tracht war schon immer ein Modephänomen

Tracht sei schon immer ein Modephänomen gewesen. „Vergleiche mit etwas Altem, etwas echt Originalem sind hinfällig, weil die Entwicklung weitergeht“, betonte Weber. Bestimmte Elemente kehrten zwar wieder - also etwa Schnitte, die bereits vor hundert Jahren einmal beliebt waren. Kleidung habe sich aber immer verändert. Was in Bayern zu einer bestimmten Zeit getragen wurde, konnte wenige Kilometer weiter oder wenige Jahre später schon ganz anders aussehen. (2569/17.09.2026)

epd-Gespräch: Johanna Husarek