Wenn pflegebedürftige Angehörige externe Hilfe zu Hause ablehnen
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Eine Frau mit ihrem pflegebedürftigen Mann
Mannheim, Berlin (epd).

Der allein lebende 75-jährige Vater wird zunehmend dement. Seine Angehörigen haben das Gefühl, es ist an der Zeit, sich wegen der Pflege Gedanken zu machen. Selbst sind alle beruflich stark eingespannt und können das nicht übernehmen. Doch der ältere Herr blockt vehement ab. Externe Unterstützung durch Fremde im Haus kommt für ihn nicht infrage. Seine Familie ist hilflos, fragt sich, wie lange kann das noch so weitergehen?

Das ist eine Lage, die Enrico Spinelli vom Produktmanagement der Mannheimer „Ihr Team 24 Pflegedienst GmbH“ aus seinem Berufsalltag gut kennt: „Angehörige und Partner sind in solchen Situationen stark belastet und nicht selten schlichtweg überfordert.“ Oft müssten sie selbst erst akzeptieren, dass Eltern oder Partner, die lange Vorbild und Halt waren, nicht mehr die Kraft und Selbstständigkeit von früher hätten.

Zwischen Fürsorge, Verantwortung und Respekt

Gleichzeitig fehle beim Betroffenen häufig die Einsicht, dass Hilfe notwendig geworden sei. Spinelli: „Man möchte unterstützen, stößt aber auf Widerstand und steht im Spannungsfeld zwischen Fürsorge, Verantwortung und dem Respekt vor der Selbstbestimmung des pflegebedürftigen Menschen.“

Michael Bonn, Geschäftsführer von „Pinel Pflege - Ambulante Alternative Pinel gGmbH“ in Berlin, appelliert, in solchen Situationen auch die Perspektive der älteren Menschen zu sehen: „Oft handelt es sich auch um Scham, fremde Menschen in das private Umfeld zu lassen und teilweise bei sehr intimen Situationen wie der Körperpflege Hilfe anzunehmen.“ Und Enrico Spinelli weiß: „Manche Betroffene haben Sorge, zur Last zu fallen, bevormundet zu werden oder irgendwann nicht mehr selbst entscheiden zu dürfen.“

Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunkts Darmstadt, die nicht namentlich genannt werden wollen, berichten auf Nachfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) auch von Rollenkonflikten, etwa: „Tochter soll autoritärem Vater sagen, was zu tun ist.“

Wie man das Thema am besten anspricht

Wie nun können Angehörige das Thema externe Pflege zu Hause gut ansprechen? „Es führt kein Weg daran vorbei, dieses Tabu je früher, desto besser zu brechen“, sagt Michael Bonn. Eine Möglichkeit sei eine Art Familienkonferenz. Vielleicht hat auch ein Angehöriger einen besonders guten Zugang zu der Person? In der Familie sollte man abstimmen, wer zu welchem Thema in Verbindung mit dem Betroffenen gehe.

Am besten sei es dann, das Gespräch aus der Ich-Perspektive zu führen: „Ich mache mir Sorgen, dass …“. Sätze wie „Du schaffst das nicht mehr“ führten häufig sofort zu einer Abwehrhaltung, sagt Spinelli. Stattdessen könne man formulieren: „Wir machen uns Gedanken, wie du möglichst sicher und gut zu Hause bleiben kannst.“

Hilfreich sei auch, nicht sofort von „Pflege“ zu sprechen. Dieses Wort könne bei vielen Betroffenen schnell das Gefühl auslösen, als unfähig, alt oder hilfsbedürftig abgestempelt zu werden. Spinelli: „Oft ist es besser, zunächst über Unterstützung im Alltag, Hilfe im Haushalt, Begleitung oder mehr Sicherheit zu sprechen.“

Dies könne ein regelmäßiger Einkauf sein, sagt Michael Bonn, Unterstützung bei der Wohnungsreinigung, auch einmal pro Woche bei den Medikamenten: „Dadurch wird Vertrauen aufgebaut, und es wird im besten Fall mit der Zeit mehr Hilfe angenommen.“

Probezeitraum nimmt Druck

Solche Gespräche sollten nicht zwischen Tür und Angel geführt werden, und es gelte, nicht zu viele Themen hineinzupacken, rät Spinelli: „Wenn Angehörige in einem Gespräch gleich über Pflegegrad, Pflegedienst, Kosten, Körperpflege, Haushalt und Sicherheit sprechen, kann das schnell überfordern und Widerstand auslösen.“ Besser seien mehrere kleine Gespräche in ruhiger Atmosphäre. Angehörige sollten zuhören, Ängste ernst nehmen und nicht erwarten, dass nach einem ersten Gespräch sofort Einsicht entsteht. Er empfiehlt: Keine Tatsachen schaffen, sondern Unterstützung als Angebot formulieren. Hilfreich könne sein, zunächst von einem Probezeitraum zu sprechen, was Druck aus der Sache nehme.

Wünsche der Betroffenen ernst nehmen

Bei fachlichen Fragen können Angehörige sich an die Pflegeberatung der Pflegekasse wenden, an einen Pflegestützpunkt, den Hausarzt, Sozialdienste oder Beratungsstellen für pflegende Angehörige. Zu Beginn einer externen Pflege oder Unterstützung zu Hause gehe es dann um Geduld, Respekt und ein realistisches Tempo, sagt Spinelli. Individuelle Wünsche der Betroffenen müssen ernst genommen werden, etwa, wenn sich jemand nicht von einer Person des anderen Geschlechts waschen oder unterstützen lassen möchte. Ein Thema, das öfter vorkomme, als man denke, sagt Michael Bonn: „Das muss gegenüber der externen Pflege thematisiert werden.“

Je transparenter der Ablauf sei, desto eher könne Akzeptanz entstehen, sagt Spinelli. Der Betroffene dürfe nicht das Gefühl bekommen, die Kontrolle über sein eigenes Zuhause zu verlieren. Seine Erfahrung: „Druck führt meist zu Widerstand - Vertrauen entsteht eher durch kleine, verlässliche Schritte.“

Von Claudia Kroll-Kubin (epd)