Therapiehunde helfen straffälligen Mädchen und jungen Frauen
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Sozialpädagogin Karina Brändlin mit Hund Skipper
München (epd).

Hunde, sagt Karina Brändlin, seien wie Spiegel: „Sie verhalten sich je nachdem, wie es mir geht.“ Auf dem Fußboden eines hellen Raums des Sozialdiensts katholischer Frauen in der Münchner Innenstadt liegen allerlei Dinge herum: Gummibälle, Seile, orangefarbene Kegel. Dazwischen ist Skipper unterwegs. Der schwarze Flat Coated Retriever ist zweieinhalb Jahre alt, wiegt an die 40 Kilo und bildet zusammen mit Sozialpädagogin Brändlin ein Team.

„Straffrei mit vier Pfoten“ nennt sich das „hundegestützte Achtsamkeit- und Kommunikationstraining“ für straffällig gewordene Mädchen und junge Frauen, für das Skipper und Brändlin tätig sind. Es richtet sich an Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 20 Jahren, denen diese "Kurzzeitintervention von einem Jugendgericht im Rahmen eines Strafverfahrens auferlegt wurde.

Hund reagiert auf Signale des Menschen

„Wie Menschen mit dem Hund umgehen, sagt viel über deren Persönlichkeit aus“, erklärt die Pädagogin. Sie hat einige der Kegel in einer Reihe aufgestellt und demonstriert, wie die Frauen und Mädchen mit Skipper an der Leine um diese Kegel herumgehen müssen. Und zwar so, wie der Mensch es will, und nicht der Hund. Denn der reagiert auf die Signale des Menschen am anderen Ende der Leine, und manchmal klappt diese Kommunikation und manchmal nicht.

„Man kann aus dem Umgang mit dem Hund viel über sich selbst und das eigene Verhalten erfahren“, erklärt die Sozialpädagogin. Im Fachjargon heißt das: „Interaktive Übungen mit einem Hund machen Verhaltens- und Kommunikationsmuster sichtbar. Die unmittelbare Reaktion des Therapiehundes ermöglicht eine Arbeit im Hier und Jetzt.“

Seit gut 120 Jahren kümmert sich der Sozialdienst katholischer Frauen um straffällig gewordene Mädchen und Frauen, betreut sie während und nach der Haft, hilft im Umgang mit Behörden und Gerichten. Zum Beispiel, wenn es um die Umwandlung von Haftstrafen in gemeinnützige Arbeit geht.

Anpacken psychischer Probleme

Der Ablauf bei „Straffrei mit vier Pfoten“ sieht dabei so aus: Zunächst führt die Sozialpädagogin mit den Teilnehmerinnen ein Erstgespräch. Dann geht es in kleinen Gruppen zwei Stunden am späten Nachmittag um den Umgang mit den Hunden, meist sind das insgesamt vier Termine an Werktagen. Schließlich steht noch ein Abschlussgespräch auf dem Programm.

Im Trainingsprogramm geht es um das Anpacken psychischer Probleme: Etwa wenn es Mädchen und jungen Frauen schwerfällt, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, zu äußern und sie auch adäquat durchzusetzen. Oder wenn sie sich gegen Forderungen und Wünsche anderer nicht abgrenzen können, also auch mal Nein zu sagen.

Da ist zum Beispiel die 16-jährige Anja. Sie ist in einer Suchtfamilie aufgewachsen, schwänzte die Schule, es gab Bußgelder, schließlich schickte sie das Jugendgericht in die Hunde-Therapie. Doch Anja erschien nicht zum vereinbarten Termin. „Ich habe sie dann zu Hause mit dem Hund besucht“, erzählt Brändlin, danach schöpfte das Mädchen Vertrauen, kam zu den Terminen.

Ab und zu ein Leckerli

Bei der Therapiearbeit mit dem Hund ging es dann um die Selbstwahrnehmung, die Reflexion über das eigene Verhalten - und was man anders machen könnte. „Mich interessiert dann: Inwieweit ist das Mädchen zum Beispiel fähig, Grenzen zu setzen?“, sagt die Sozialpädagogin.

Für diese Therapiearbeit hat Hund Skipper auch eine Hundeschule hinter sich, er ist ein ausgebildeter Therapiebegleithund mit Wesenstestgutachten, sein Frauchen geprüfte Therapiehundeführerin. Es geht darum, dass der Hund steigende Stresspegel aushält, keinesfalls beißt. Dafür gibt es dann auch ab und zu ein Leckerli.

Manchmal ist das Gespann Pädagogin-Hund in der Justizvollzugsanstalt Aichach bei Augsburg. Hier ist die Teilnahme freiwillig, im Gegensatz zu den richterlich angeordneten Stunden für straffällige Mädchen und junge Frauen. Für die Inhaftierten bietet der Kontakt mit dem Hund eine Abwechslung im Gefängnisalltag. „Da ging die Tür auf, und eine hoch traumatisierte Frau kam herein und hat den Hund umarmt“, erzählt Brändlin. „Das muss der Hund dann aushalten.“

Von Rudolf Stumberger (epd)