Wo Blumenkreationen Kunst werden
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Blumenkunst im Museum: "Palastblühen" im Kunstpalast
Wieder "Palastblühen" im Düsseldorfer Kunstpalast
Düsseldorf (epd).

Im zentralen, größten Raum des Düsseldorfer Kunstpalastes wächst von der Decke ein „Himmelsgarten“ aus 100 Vanda-Orchideen. Im Saal mit den barocken Büsten des Düsseldorf prägenden Kurfürsten Jan Wellem und seiner Frau Anna Maria ist ein violettes Arrangement angerichtet, das eine fürstliche Tafel zieren könnte. Und zu Füßen eines Holzaltars aus dem 16. Jahrhundert streckt eine metallene Hand einen Apfel aus der Vase mit üppigen Blumenschmuck, ganz wie Eva im Paradies: Beim „Palastblühen“ bringen eigens abgestimmte Blumengestecke die Gemälde und Skulpturen der Dauerausstellung neu zur Geltung.

„Obwohl ich jeden Tag durch die Sammlung gehe, sehe ich jetzt dank der Arrangements mit ihren Farben und Formen viele Werke mit neuen Augen“, sagt Museumsdirektor Felix Krämer. „Museen mit Blumen sind schönere Orte.“

Museumsdirektor: Für mich sind Blumenkreationen Kunst

Zum dritten Mal hat das Museum vom 17. bis 26. April Floristinnen und Floristen aus Düsseldorf eingeladen, zur Sonderausstellung „Palastblühen“ Blumenkunst zu gestalten. Im vergangenen Jahr habe die Schau mit 34.000 Besucherinnen und Besuchern in zehn Tagen Rekorde gebrochen, berichtet Krämer. „Das schafft nicht einmal Gerhard Richter.“ In diesem Jahr habe sich der Kunstpalast mit längeren Öffnungszeiten und einigen Umbauten, die Raum schaffen, auf einen ähnlichen Andrang eingestellt.

In Deutschland ist der Kunstpalast nach eigenen Angaben das erste Haus, das nach Vorbildern in den USA, der Schweiz und Großbritannien die Verbindung zwischen Kunst und floristischen Werken herstellt. „Für mich sind sie Kunst, wie die Gemälde und Skulpturen“, sagt Krämer. Dass Blumenarrangements zeitgebunden sind und ihre Erscheinung verändern, hätten sie mit vielen Werken der zeitgenössischen Kunst, etwa Performances, gemeinsam.

Disteln und Orchideen, Äpfel und Auberginen

Von der Orchidee bis zur Distel, vom Apfel bis zur Aubergine werden verschiedenste Blumen und Früchte eingesetzt. Mal beziehen sich die Blumen auf den Inhalt, mal auf die Farbe oder die Herkunft eines Kunstwerkes. Ein Arrangement aus Magnolien, Hortensien und Calla nimmt das blasse Rosé des Bildes „Vira VI“ von Vivian Greven aus dem Jahr 2021 auf. Die weiße Marmorskulptur der Steinklopferin, die ihr Baby neben sich bewacht, leuchtet neben einer ebenso weißen Kaskade aus Orchideen, Hortensien und Calla.

Mehr auf den Inhalt des Gemäldes „Am Meer“ von Anselm Feuerbach bezieht sich dagegen die Floristin Victoria Bernds, die Blumen zu einem kleinen Beet anordnet. „Den sehnsuchtsvollen Blick der Iphigenie, die dargestellt ist, wollte ich mit violetten Farbtönen unterstreichen,“ sagt sie. Für ihr Arrangement verwendet sie auch bereits abgeblühte Pflanzen und, ganz klein und unscheinbar, aber bläulich glänzend, eine Distel.

„Blumen sind Gefühle“

„Blumen sind für mich Gefühle“, sagt die Floristin Alla Mandic, die alltags ihre Blumen in einem Stand im Freien auf einem Düsseldorfer Platz verkauft. „Blumen sollen die Menschen ansprechen, sie sollen sich spontan für Blüten entscheiden, die ihnen das geben, was sie in dem Moment brauchen, Freude, Schönheit oder Trost.“ Ihre besondere Liebe gilt aber nicht einmal einer Blume, sondern einem Gemüse, genauer gesagt: der Aubergine. „Wie die glänzt und leuchtet in diesem dunklen Violett-Ton, das ist so schön“, schwärmt sie und hat Auberginen in ihre ausladenden Sträuße eingebaut.

Neben dem Violett fasziniert sie auch die Farbe Rot. Deshalb hat Mandic als Gegenstück zu einem japanischen Kimono einen Kranz aus roten Ästen mit der Dschungelblume Helikonia kombiniert. „Das erinnert an die aufgehende Sonne in der japanischen Flagge“, sagt die Floristin.

Von Irene Dänzer-Vanotti (epd)