Die künstlerische Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Svenja Böttger, hat die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die Filmbranche unterstrichen. „Mich interessiert, wie das, was hier entsteht, nachhaltiger sichtbar und nutzbar wird, sei es Wissen, Austausch oder Vernetzung“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die vom 19. bis 25. Januar in Saarbrücken laufende 47. Festivalausgabe ist die zehnte unter der Leitung von Böttger.
epd: Welche Erfahrungen/Lehren haben Sie aus zehn Jahren Leitung des Filmfestivals Max Ophüls Preis gezogen?
Svenja Böttger: Vor allem, dass ein Filmfestival immer beides zugleich sein muss: kuratorisch präzise und strukturell verlässlich. Es braucht eine klare Haltung, auch im Umgang mit den Menschen, die hier ihre Arbeiten zeigen und ein kluges, eigenständiges Festivalteam. In den letzten zehn Jahren habe ich gelernt, dass es nicht genügt, gute Filme auszuwählen. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sie gesehen, besprochen und eingeordnet werden. Transparente Kriterien, Verlässlichkeit und klare Entscheidungen sind dafür zentral. Ebenso wichtig sind langfristige Beziehungen zu Filmschaffenden, zu Unterstützerinnen und Unterstützern ebenso wie zu den unterschiedlichen Akteuren der Branche insgesamt. Ein Festival ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines filmkulturellen Ökosystems. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, ästhetisch wie kulturpolitisch, hat meine Arbeit in den vergangenen Jahren am stärksten geprägt.
epd: Was zeichnet die 47. Ausgabe aus?
Böttger: Die 47. Ausgabe ist stark von der Frage geprägt, wie Filme auf gegenwärtige gesellschaftliche Spannungen reagieren. Viele Arbeiten sind sehr genau in ihrer Beobachtung und zugleich formal mutig. Uns war wichtig, diese Filme nicht für sich stehenzulassen, sondern sie in einen größeren Dialog einzubetten. Das gilt für das Filmprogramm ebenso wie für das Branchenprogramm. Wir haben bewusst Räume geschaffen, in denen über Inhalte, Arbeitsweisen und Perspektiven gesprochen wird.
epd: Was wünschen Sie sich für künftige Festivalausgaben? Anders gefragt: Was würden Sie gerne noch umsetzen?
Böttger: Ich wünsche mir, dass wir das Festival weiter als einen Ort stärken, der über die Festivalwoche hinaus Wirkung entfaltet. Mich interessiert, wie das, was hier entsteht, nachhaltiger sichtbar und nutzbar wird, sei es Wissen, Austausch oder Vernetzung. Dafür braucht es verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen sowie Zeit und Raum, um Kooperationen weiterzuentwickeln, national wie international. Vom temporären Event haben wir uns schon lange verabschiedet. Dazu gehört für mich auch, kulturpolitisch weiter an einer belastbaren Struktur zu arbeiten und die Sichtbarkeit von Talentfilmen und ihren Arbeitsbedingungen konsequent zu stärken. Die Aufgabe bleibt, diese Arbeit in tragfähigen und nachhaltigen Strukturen zu verankern.