Die „Tigerente“, ein zotteliger Bär und ein freundlicher Tiger machten ihn berühmt: Janosch verfasste Kinderbücher wie „Oh, wie schön ist Panama“, „Post für den Tiger“ und „Komm wir finden einen Schatz“, er erzählte von den Erlebnissen des kleinen „Hannes Strohkopp“, vom „Quasselkasper“ aus Wasserburg oder von „Rasputin, dem Vaterbär“. Der Autor und Illustrator, der am 11. März 95 Jahre alt wird, schuf mehr als 150 Bücher, sie wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Geboren wurde Janosch 1931 als Horst Eckert im polnischen Zabrze, 1980 zog er sich auf die Kanaren-Insel Teneriffa zurück.
Für die Leiterin des Bilderbuchmuseums in Troisdorf bei Bonn, Pauline Liesen, steht fest: „Janosch ist nach wie vor ein Begriff für Jung und Alt.“ Seine Protagonisten wie Tigerente, Bär und Tiger gingen „einfach zu Herzen“, sagte die Janosch-Spezialistin dem epd. „Darüber hinaus freut man sich über Geschichten, die oftmals tief empfundene Freundschaft und ein Glück thematisieren, das nicht mit Geld und Macht, sondern mit Zufriedenheit und Bescheidenheit einhergeht.“
Wobei es wohl inzwischen zumeist die Erwachsenen seien, die die Kinder an den Zeichner und Erzähler heranführten: „In den Medien und im Merchandising ist Janosch denn doch nicht mehr so präsent wie in den vielen Jahren zuvor.“
„Oh, wie schön ist Panama“
Janosch, der als Eigenbrötler gilt, hatte 1999 im Anschluss an eine große Werkschau seine Bilderbuch-Originalillustrationen als Dauerleihgabe an das Bilderbuchmuseum in den Räumlichkeiten der Troisdorfer Burg gegeben. Später kaufte das Haus mehr als 2.700 weitere Originale zu Janosch an. „Damit sind wir das Museum mit dem größten Janosch-Schatz, zumindest was die Bilder- und Kinderbücher anbelangt“, sagt Liesen.
Der Durchbruch als Kinderbuchautor gelang ihm 1978 mit „Oh, wie schön ist Panama“, das mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde: Wegen des unvergleichlichen Dufts einer Bananenkiste machen sich die Freunde Tiger und Bär mit ihrer gelb-braun gestreiften Tigerente auf den Weg nach Panama, dem Ort ihrer Sehnsucht. Am Ende sind sie wieder zu Hause gelandet - und glücklich. 1980 kam der genauso erfolgreiche Band „Post für den Tiger“ in die Buchhandlungen.
Janosch-Figuren brauchen nicht viel, um glücklich zu sein
Er illustrierte und schrieb auch für Erwachsene. Im Reclam-Verlag erscheinen seit einigen Jahren im typischen Kleinformat auch große Janosch-Werke. Etwa das „Wörterbuch der Lebenskunst“, das „Notizbuch für alle Lebenslagen“, „Rasputin der Lebenskünstler“ oder auch - als kleine Hommage an Ernest Hemingway - „Der alte Mann und der Bär - eine Weihnachtsgeschichte“.
Seine Protagonisten brauchen nicht viel, um glücklich zu sein: einen Freund, zu essen und zu trinken, viel Sonnenschein, Muße zum Träumen, viel Zeit und eine gesunde Umwelt mit Bächen, in denen sich Forellen wohlfühlen, und mit Wäldern, in denen Pilze und Beeren wachsen.
Kindheit war „die Hölle“
In Interviews mit seiner Biografin Angela Bajorek hat Janosch von seiner Kindheit erzählt, die alles andere als idyllisch war: Armut, beengte Wohnverhältnisse, ein strenger Pfarrer machte ihm Angst vor Gott, der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, die Mutter eine vermeintlich fromme, kalte Frau. „Die Hölle. So erinnert Janosch seine Kindheit. In einem der Interviews sagte er, dass die ersten Lebensjahre seine Persönlichkeit völlig zerstört hätten“, so beschrieb es Bajorek 2016 im „Deutschlandfunk“.
Gewalt taucht in Janoschs Kindergeschichten nicht auf. Hier werden Probleme und Streitigkeiten anders gelöst: Da hört man einander zu, findet Kompromisse und lässt auch den Freund, Nachbarn oder entfernten Bekannten mal recht haben oder im Spiel gewinnen, weil auch das zur Lebenskunst gehört.
Janosch kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern aus Schlesien nach Oldenburg, ging später für einige Probesemester an die Kunstakademie nach München, bevor er freier Maler wurde. 1960, im Alter von 29 Jahren, zeichnete er sein erstes Kinderbuch, „Die Geschichte von Valek, dem Pferd“. 2010 kündigt er von Teneriffa aus an, er werde keine weiteren Bücher schreiben. Und ein Jahr später, zu seinem 80. Geburtstag, erklärte er: „Alter ist die beste und schönste Zeit im ganzen Leben.“