Rheinische Kirche will Millionen-Sparpaket beschließen
Präses Thorsten Latzel
Präses Thorsten Latzel
Bonn, Düsseldorf (epd).

Die Evangelische Kirche im Rheinland will drastisch sparen und auf ihrer anstehenden Landessynode in Bonn über Ausgabenkürzungen von mindestens 33 Millionen Euro bis 2030 entscheiden. Angesichts sinkender Einnahmen und steigender Kosten gelte es, „kirchliche Arbeit zukunftsorientiert auszurichten, von Kirchensteuer unabhängiger zu machen und auch als kleinere Kirche weiter für andere da zu sein“, erklärte die zweitgrößte deutsche Landeskirche am Montag in Düsseldorf. Das Sparvolumen entspricht gut einem Fünftel des Etats auf der landeskirchlichen Ebene, die 527 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar sind davon nicht direkt betroffen.

Der Rückgang von Ressourcen bedeute schmerzhafte Abschiede von wertgeschätzten Arbeiten und es müssten schwierige Entscheidungen getroffen werden, erklärte der leitende Theologe der rheinischen Kirche, Präses Thorsten Latzel. „Vor allem für die Betroffenen ist das emotional belastend.“ Für betroffene Mitarbeitende soll es sozialverträgliche Lösungen geben.

Ausgeglichener Haushalt bis 2029 angestrebt

Mehr als 60 Menschen hätten das Maßnahmenpaket erarbeitet, das bereits in synodalen Ausschüssen beraten worden sei, hieß es. Über die Kürzungen entscheiden wird nach eingehenden Beratungen in Arbeitsgruppen und Ausschüssen das rheinische Kirchenparlament, die Landessynode, die vom 16. bis 20. Januar in Bonn tagt. Sie vertritt die knapp 2,1 Millionen Protestanten zwischen Niederrhein und Saar. Die Landessynode ist das oberste Beratungs- und Entscheidungsorgan der Landeskirche, sie hat 184 stimmberechtigte Mitglieder.

Hintergrund der Sparpläne ist die drastisch abnehmende Finanzkraft. So wird sich die Kirchensteuerbasis laut der sogenannten Freiburger Studie bis zum Jahr 2060 im besten Fall halbieren. In 35 Jahren stehen vermutlich nur noch knapp 30 Prozent der heutigen Ressourcen zur Verfügung. Als weitere Risikofaktoren nannte die rheinische Kirche die abnehmende religiöse Sozialisation junger Generationen und die sinkende Bindung vieler Mitglieder durch Gebäudeschließungen und Fusionen. Daher sei der Sparweg beschlossen worden, der eine zügige Umsetzung der Maßnahmen vorsieht, um bereits für 2029 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

Langfristige Wirksamkeit der Kirche im Blick

In einer rasant kleiner werdenden Kirche solle die Finanzstrategie aber nicht nur kurzfristige Einsparungen im Blick haben, sondern vor allem an der langfristigen Wirksamkeit der Kirche orientiert sein, hieß es. Auch Präses Latzel betonte, die Vorschläge seien nicht nur unter finanziellen Aspekten entwickelt worden. Vielmehr zielten sie auf eine „strategische Transformation“.

Der Haushalt der landeskirchlichen Ebene wird überwiegend durch eine Umlage von 21 Prozent der Netto-Kirchensteuereinnahmen für gemeinsame Aufgaben finanziert. Er soll nach einem Synodenbeschluss von 2025 um 22 Prozent auf Basis der Kirchensteuereinnahmen von 2023 gekürzt werden.

Bericht des Präses am Freitag

Die Synode befasst sich neben der Finanzstrategie auch mit einer Reihe von Kirchengesetzen und weiteren Vorlagen, etwa zu sozialen Themen. Nach dem Eröffnungsgottesdienst trägt Präses Latzel am Freitag seinen traditionellen Jahresbericht vor. Als Gäste der fünftägigen Beratungen werden unter anderen die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) und die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, erwartet.

Von Ingo Lehnick (epd)