Wildbienen in Thüringen stark gefährdet
Jena (epd).

Mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in Thüringen gilt als gefährdet oder bereits ausgestorben. Nach Angaben der Roten Liste des Freistaats seien von den 416 nachgewiesenen Arten 43 verschwunden oder verschollen, weitere 72 gelten als vom Aussterben bedroht, teilte der Naturschutzbund Thüringen (Nabu) am Montag in Jena anlässlich des Weltbienentags am Mittwoch mit. Insgesamt seien damit rund 56 Prozent der Arten bestandsgefährdet.

Wildbienen übernehmen laut Nabu eine zentrale Rolle als Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen. Zugleich reagierten sie empfindlich auf Veränderungen ihrer Lebensräume, den Einsatz von Pestiziden und die Folgen des Klimawandels. Fachleute sehen sie deshalb als wichtige Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen. Wo sie verschwinden, gelte die Natur oft als belastet.

Heimische Gehölze nutzen den Insekten

Der Nabu fordert verstärkte Anstrengungen zum Schutz der Insekten. Der Naturschutzreferent des Verbandes, Marcus Orlamünder, betonte, neben einer Wiederherstellung zerstörter Lebensräume brauche es eine naturverträglichere Landwirtschaft mit weniger Pestiziden. Kritik äußerte er an der Haltung der Landesregierung zur europäischen Wiederherstellungsverordnung.

Auch private Gärten könnten einen Beitrag leisten, sagte Orlamünder. Statt kurz geschnittener Rasenflächen und exotischer Heckenpflanzen wie Thuja oder Kirschlorbeer seien heimische Gehölze wie Holunder, Felsenbirne oder Heckenrose sinnvoll. Ebenso wichtig seien artenreiche Wildblumenwiesen und „wilde Ecken“, in denen Pflanzen wie Brennnessel oder Klee wachsen dürfen.