Schafe und Ziegen sollen Hirschkäfer schützen
Heldburg (epd).

Mit historischen Waldnutzungspraktiken gehen Naturschützer und Forstleute in Thüringen neue Wege gegen das Artensterben. Im Naturschutzgebiet Lachenwäldchen bei Heldburg hat ein neuartiges Waldmanagement begonnen, das seltene Lichtwaldarten wie den Hirschkäfer oder heimische Orchideen retten soll, teilte die Wildtierland Hainich gGmbH am Donnerstag im Rahmen einer Fachtagung vor Ort mit. Auf den ersten Teilflächen habe bereits eine Beweidung mit Schafen und Ziegen begonnen.

Das Lachenwäldchen wurde den Angaben zufolge über Jahrhunderte als sogenannter Nieder- und Mittelwald genutzt. Im 19. Jahrhundert sei die Fläche in einen reinen Hochwald aus Nadelholz umgewandelt worden. Dadurch seien viele lichtliebende Tier- und Pflanzenarten aus dem Gebiet verdrängt worden.

Modellprojekt soll Eckpunkte für ein Förderprogramm liefern

Inzwischen werde der Wald jedoch wieder wie früher bewirtschaftet, sagte eine Sprecherin des Projekts. Während einzelne große Eichen und Hainbuchen dauerhaft stehen bleiben, werden andere Baumarten wie Hasel regelmäßig zurückgeschnitten. Aufgrund ihrer spezifischen Ansprüche an ihren Lebensraum sind in Deutschland eine Vielzahl von „Lichtwaldarten“ heute vom Aussterben bedroht.

Das Modellprojekt umfasst den Angaben zufolge insgesamt 20 Flächen und soll als Vorbild für ganz Deutschland dienen. Die Fachhochschule Erfurt untersucht im Rahmen des Projekts die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Ziel ist es, Eckpunkte für ein neues staatliches Beihilfe-Förderprogramm zu entwickeln, um Waldbewirtschaftern den Mehraufwand für diese die Natur schonende Bewirtschaftung finanziell auszugleichen.