Fridays for Future fordert mehr Klimaschutz für Berlin
Berlin (epd).

Die Umweltbewegung Fridays for Future hat im Vorfeld der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September verstärkte Klimaschutz-Maßnahmen von der künftigen Landesregierung gefordert. „Wir nehmen alle Parteien in die Verantwortung“, sagte die Klimaaktivistin Luisa Neubauer am Donnerstag auf der Fläche vor dem Abgeordnetenhaus. „Aus dem 'ob' wir Klimaschutz machen, sollte nur noch ein 'wie' wir Klimaschutz machen werden“, sagte Neubauer. Berlin könne hier eine Vorreiterrolle einnehmen.

Konkret mahnte die Bewegung Maßnahmen in den Bereichen Mobilität, Energie, Wohnen und Bauen, Bildung sowie Klimaanpassung an. Zu den Forderungen zählen etwa ein konsequenterer Ausbau der Fahrradinfrastruktur, eine vollständig erneuerbare Wärmeversorgung bis 2035 sowie Bildungsangebote rund um das Thema Klimawandel. Die Stadt solle zudem ein Abrissmoratorium erlassen und stattdessen energetischen Sanierungen den Vorzug geben.

Bilder mit ihrer Vision einer klimagerechten Hauptstadt malten die Aktivisten auf ein 20 Meter langes Banner im Umfeld des Abgeordnetenhauses. Bis zur Wahl im September plant „Fridays for Future“ laut eigener Aussage weitere Aktionen.

Klimaziele von 2023 werden verfehlt

Das Mitglied des Berliner Klimaschutzrats und der Klimaschutzorganisation „Scientists for Future“, Felix Creutzig, kritisierte, dass die Klimaschutzziele der Stadt für 2030 nach derzeitigem Stand verfehlt würden. Nach Ansicht der Aktivisten setzt Berlin zu sehr auf kurzfristige Hitzeanpassung. Dafür gebe es jedoch Grenzen, mahnte Creutzig.

Mehr Bäume in der Stadt zu pflanzen, könne ein sinnvoller Schritt für mehr Hitzeschutz sein, führte er weiter aus. Die Durchschnittstemperaturen könnten diese aber nur geringfügig absenken. „Klimaschutz bleibt also trotzdem nötig“, sagte Creutzig. Er plädierte für eine emissionsfreie Innenstadt bis 2035. Diese Vision wird seiner Ansicht nach auch von der Berliner Wirtschaft unterstützt.

„Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“

Die Hebamme und Klimaaktivistin Katharina de Grille warnte bei der Präsentation der Forderungen, dass insbesondere vulnerable Gruppen durch extreme Hitzeereignisse wie in der vergangenen Woche gefährdet seien. Hierzu zählten Schwangere und Neugeborene. Auch hohe Feinstaubbelastungen seien für sie ein gesundheitliches Risiko. „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz und darf nicht einfach weggewischt werden“, sagte de Grille.

Der Berliner Senat möchte die Hauptstadt bis 2045 zu einer klimaneutralen Stadt entwickeln. So sollte bis 2020 die Gesamtmenge der CO2-Emissionen der Hauptstadt im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent reduziert werden, bis 2030 um 70 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent. Das Ziel für 2020 war laut zuständiger Senatsverwaltung im Jahr 2019 erreicht worden.

Von Joris Ufer (epd)