"Entwässerungen müssen teilweise rückgängig gemacht werden"
Thüringens Nabu-Chef Martin Schmidt zu den Folgen des Hitzesommers
Jena (epd).

Nach dem Hitzesommer fordert der Naturschutzbund Thüringen mehr politische Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel. Die Dringlichkeit sei bei vielen Landnutzern angekommen, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Martin Schmidt dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor der Vertreterversammlung seines Verbands am Samstag. Es fehlten aber politische Rahmenbedingungen, damit notwendige Veränderungen wirtschaftlich umgesetzt werden könnten.

Besonders wichtig sei der Umgang mit Wasser. Die Landschaft müsse mehr Wasser speichern können, sagte Schmidt. Jahrzehntelange Entwässerung müsse teilweise rückgängig gemacht werden. Moore, Feuchtgebiete und Auen sollten wieder stärker als natürliche Wasserspeicher wirken. Thüringen müsse sich zu einer „Schwammlandschaft“ entwickeln.

Landwirtschaft soll bei Veränderungen unterstützt werden

Zugleich müsse die Landwirtschaft bei Veränderungen unterstützt werden: „Viele Landwirte sind bereit, ihre Bewirtschaftung anzupassen, benötigen dafür aber finanzielle Ausgleiche und langfristige Absatzmöglichkeiten.“ Als Beispiel nannte Schmidt die Verwendung von auf vernässten Flächen angebautem Schilf als Dämmstoff. Es gebe zwar Modelle und Produkte, diese seien aber noch nicht weit genug entwickelt, damit Landwirte darauf dauerhaft bauen könnten.

Nach dem Hitzesommer seien Umwelt- und Klimathemen schnell von anderen Krisen verdrängt worden, sagte Schmidt: „Krieg, Benzinpreise und andere Konflikte bestimmen inzwischen wieder die öffentliche Debatte.“ Umso wichtiger sei es, im Umwelt- und Naturschutz für Kontinuität zu sorgen und konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Gemeinsame Vorschläge mit dem Bauernverband erarbeitet

Das Interesse der Bevölkerung am Naturschutz sei weiterhin vorhanden, sagte Schmidt. Der Nabu Thüringen habe seine Mitgliederzahl seit 2016 von rund 10.000 auf knapp 20.000 gesteigert.

Als Erfolge nannte Schmidt die Zusammenarbeit von Naturschutzverbänden und dem Thüringer Bauernverband bei gemeinsamen Vorschlägen für mehr Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Auch die Schuderbachswiese bei Oberhof sei dauerhaft für den Naturschutz gesichert worden. Die Fläche war lange als Standort für einen Golfplatz im Gespräch.

Sorgen bereite dem Nabu dagegen die künftige Finanzierung des Naturschutzes und von Maßnahmen für mehr Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Schmidt verwies auf mögliche Kürzungen bei den entsprechenden EU-Mitteln. Zugleich gerieten Arten, deren Bestände sich erholt hätten, wieder stärker unter Druck: „Kormoran, Wolf und Graugans haben sich gerade erholt und sollen jetzt unter bestimmten Bedingungen bejagt werden können.“

epd-Gespräch: Matthias Thüsing