Die Berliner Caritas hat statt des geplanten Alkoholverbots an zwei Berliner Bahnhöfen konkrete Hilfen für obdachlose Menschen gefordert. Das pauschale Verbot löse die soziale Problemlage nicht, sondern verdränge sie, erklärte der katholische Wohlfahrtsverband am Mittwoch in Berlin. Die Deutsche Bahn verbietet ab 1. Mai am Bahnhof Zoo und am Berliner Ostbahnhof sowohl den Konsum von Alkohol als auch das Mitführen geöffneter alkoholischer Getränke.
Die Caritas forderte, statt Energie und Mittel in die Kontrolle und Durchsetzung von Verboten fließen zu lassen, gezielt in soziale Arbeit zu investieren. „Wer Gewalt, Vermüllung oder enthemmtes Verhalten reduzieren will, muss die Ursachen angehen“, hieß es. Diese seien Armut, Wohnungslosigkeit, psychische Erkrankungen und Abhängigkeit. So wären mehr Streetworker-Teams oder etwa mehr zugängliche, saubere Sanitäranlagen wichtig.
Generelles Verständnis
Die Berliner Stadtmission als Betreiberin der Bahnhofsmission am Zoo äußerte ein generelles Verständnis für die Maßnahme, weil die Bahn das Sicherheitsgefühl der Reisenden erhöhen möchte. Auch in Einrichtungen der Stadtmission gelte ein Alkoholverbot, sagte eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Andererseits würde sich das Problem nur verlagern, da die Menschen dann in Parks oder Seitenstraßen konsumieren. „Dafür ist aber nicht die Deutsche Bahn zuständig, sondern die Stadt Berlin und das Land Berlin“, sagte die Sprecherin. Es müssten andere Orte zum Aufenthalt für wohnungslose Menschen tagsüber geschaffen werden.