2025 war für die Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg-Cracau kein leichtes Jahr. Politische Umstände und schwierige Rahmenbedingungen führten die diakonische Einrichtung mit etwa 2.200 Mitarbeitern vor 14 Monaten in die Insolvenz. „Das war für die Stiftungen und unsere Mitarbeiter zunächst ein Schock“, sagt die Theologische Vorständin Ulrike Petermann.
Die notwendigen Einschnitte während des Sanierungsverfahrens führten dazu, dass zum 1. August das Krankenhaus in Magdeburg-Cracau, die Lungenklinik Lostau und das Medizinische Versorgungszentrum mit rund 1.500 Mitarbeitern in das Universitätsklinikum Magdeburg integriert wurden. „So konnten wir nicht nur die Stiftungen erhalten, sondern auch den Großteil aller Arbeitsplätze“, berichtet Petermann.
Konzentration auf die Kernaufgaben
Die „neuen“ Pfeifferschen Stiftungen, deren Anfänge auf das Jahr 1889 zurückgehen, zählen jetzt noch rund 700 Beschäftigte und erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. „Der Neustart mit einem fokussierten Angebot in den Bereichen Wohnen, Werkstätten, Pflege und Hospizarbeit führt uns zu unseren Kernaufgaben zurück“, sagt die Vorständin.
Wobei die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen jetzt eine deutlich größere Bedeutung für die Stiftung haben, wie der Leiter des Bereichs Arbeit und Teilhabe, Marc Fesca, bestätigt: „Die Werkstattarbeit in den Pfeifferschen Stiftungen hat eine lange und gewachsene Tradition.“ Hier arbeiteten rund 610 Menschen, die von etwa 120 Mitarbeitenden begleitet werden.
Werkstätten mit vielfältigen Arbeitsbereichen
Für den Vorsitzenden des Kuratoriums der Pfeifferschen Stiftungen, Albrecht Steinhäuser, sind die Werkstätten „gelebte Teilhabe“. Sie seien Orte, an denen Menschen mit Behinderungen „als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sichtbar sind“, so Steinhäuser
Seit etwa 25 Jahren gibt es laut Bereichsleiter Fesca auch vermehrt Werkstattangebote für Menschen mit seelischen Behinderungen, da klassische Werkstattstrukturen für diesen Personenkreis oft nicht passend waren. Dazu zählen etwa das Café Gusto am Heumarkt, der Fahrradladen Knorke Bike, die Floristik und Pfeiffers Manufaktur mit Kunsthandwerk.
Auch die 1957 von Diakonissen gegründete Hostienbäckerei wird seit nahezu 20 Jahren durch die Reha-Werkstatt der Stiftungen betrieben. Fast so lange ist auch Mario Ulbrich dabei, der nach schweren Depressionen hier mit der Wiedereingliederung angefangen hat. Mittlerweile ist er allein verantwortlich und sichert so die Jahresproduktion von bis zu 100.000 Hostien, die in zahlreichen Kirchengemeinden im In- und Ausland zum unverzichtbaren Bestandteil des Abendmahls gehören.
Metallteile für Windräder
Etwa 100 Arbeitsplätze gibt es laut Fesca zudem im sogenannten Außenbereich. Hier sind Menschen trotz ihrer Behinderungen in Betrieben des ersten Arbeitsmarktes tätig. Dazu gehören unter anderem ein Bio-Supermarkt, ein Gartenbaubetrieb, gastronomische Einrichtungen und eine Kita. „Dieser Bereich wächst erfreulicherweise kontinuierlich an“, sagt Fesca.
Auch die klassischen Werkstätten sind gut ausgelastet und produzieren unter anderem Metallteile für Windräder. Zudem gibt es eine Tischlerei, einen Entsorgungsfachbetrieb, einen Gebäudereinigungsservice sowie Garten- und Landschaftsbau.