Der Thüringer Lehrerverband (tlv) registriert eine Zunahme von Gewalt gegenüber Lehrerinnen und Lehrern. Die Fälle von Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen gegenüber Pädagogen habe zugenommen, teilte ein Verbandssprecher am Dienstag in Erfurt mit. Gespräche mit Kollegen belegten die repräsentativen Umfragen des Bundesverbandes, wonach sich inzwischen auch an Thüringer Schulen solche Angriffe zu einem strukturellen Problem entwickelt haben.
Der tlv-Landesvorsitzende Tim Reukauf betonte, Schulen seien keine abgeschotteten Räume, sondern Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Zunehmend werde Frust aus Politik, Gesellschaft und Elternhäusern direkt an Lehrkräften abgeladen.
Wachsender Druck
Nach Angaben des Verbandes stehen Schulen seit Jahren unter wachsendem Druck. Lehrkräfte übernähmen neben Unterricht und pädagogischer Arbeit zunehmend Aufgaben, für die es weder ausreichende Zeit noch professionelle Unterstützung gebe. Gleichzeitig fehle es häufig an Rückhalt, wenn es zu Übergriffen komme.
Der tlv fordert daher verbindliche Meldewege, eine konsequente statistische Erfassung sowie eine klare Unterstützung für Betroffene. Es dürfe nicht sein, dass Beschäftigte nach Übergriffen allein gelassen würden oder sich für das Einfordern von Hilfe rechtfertigen müssten, sagte Reukauf.
Neben einem besseren Schutz setzt der Verband auf Prävention. Notwendig seien multiprofessionelle Teams aus Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Fachkräften, die Schulen dauerhaft im Krisenfall entlasten. Zudem brauche es klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Lehrkräfte schützen.