Berlin: Mehrheit gegen Strafanzeigen für Schwarzfahren
Berlin (epd).

Eine Mehrheit der Wahlberechtigten in Berlin hat sich gegen Strafanzeigen beim Fahren ohne Fahrschein ausgesprochen. Laut einer am Freitag veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Pollytix im Auftrag der Open Knowledge Foundation befürworteten 67 Prozent der Befragten, Schwarzfahrer in der Hauptstadt nur noch mit einem erhöhten Beförderungsentgelt zu belegen. Für die repräsentative Umfrage wurden den Angaben nach im August mehr als tausend Wahlberechtigte in Berlin befragt.

71 Prozent sprächen sich auch dafür aus, dass das Fahren ohne Ticket auf Bundesebene entkriminalisiert werden sollte, hieß es. Deutschlandweit verzichten bereits mehrere Städte wie Köln, Frankfurt am Main und Potsdam auf Anzeigen gegen Schwarzfahrer. Grundsätzlich gilt Fahren ohne Fahrschein laut Paragraf 265a des Strafgesetzbuchs aber als Erschleichen von Leistungen.

Ersatzfreiheitsstrafen für viele Schwarzfahrer

Bei einem Verfahren droht Tätern eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Laut einer Studie der Universität Köln musste in Berlin rund die Hälfte der für Schwarzfahren zu Geldstrafen Verurteilten 2025 eine Ersatzfreiheitsstrafe ableisten, da sie nicht zahlen konnten oder wollten.

Berlin sei „ein Hotspot für die Ticket-Haft“, erklärte Leonard Ihßen von der Initiative Freiheitsfonds. Die Stadt gebe jedes Jahr hohe Summen aus, um Menschen für fehlende Tickets zu inhaftieren. Freiheitsfonds ist Mitinitiator der Umfrage und begleicht Geldstrafen von Menschen, die wegen Fahrens ohne Fahrschein zu Ersatzfreiheitsstrafen verurteilt wurden. Die Organisation setzt sich für die Streichung des Paragrafen ein.