Vom Dunkel ins Licht
Ausstellung über Max Liebermann und den deutschen Impressionismus
Potsdam (epd).

Am Anfang sind es naturalistische Alltagsszenen, die der Berliner Maler Max Liebermann (1847-1935) in den 1880er Jahren in Holland für seine Malerei entdeckt: Mädchen, die im Garten promenieren (Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1888), das Leben und Treiben in der Judengasse von Amsterdam oder auf dem Schweinemarkt. Doch bereits bei seinen frühen eher dunklen Gemälden, nach Skizzen vor Ort im Atelier ausgearbeitet, setzt der Maler helle Flecken und Lichtpunkte ein. Ab den 1890er Jahren hellt sich seine Farbpalette auf, der Pinselstrich wird lockerer, die Motive ändern sich, Szenen des modernen Lebens und der Freizeitkultur werden bildwürdig. Liebermanns Bilder beginnen immer stärker zu leuchten, bis hin zu den farbenfrohen Gartenbildern seines impressionistischen Spätwerks.

Das Potsdamer Museum Barberini würdigt mit der Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ die Rolle Max Liebermanns als Wegbereiter einer künstlerischen Epochenwende. Mit mehr als 110 Arbeiten aus mehr als 60 Museen und vielen Privatsammlungen beleuchtet die Schau Max Liebermanns Rolle als Maler sowie seinen Einfluss als Sammler, Mentor und Ausstellungsmacher auf die Kunst seiner Zeit.

„Zwischen den Welten unterwegs“

„Max Liebermann ist zwischen den Welten unterwegs gewesen, er hat internationalen Künstlerinnen und Künstlern Raum gegeben und auf andere, wie Max Slevogt, Lovis Corinth aber auch Maria Slavona und Dora Hitz, geradezu magnetisch gewirkt“, fasst Ortrud Westheider, Direktorin des Barberini und zugleich Kuratorin der Ausstellung, zusammen. Die Schau entstand in Kooperation mit Daniel Zamani, dem vormaligen Sammlungsleiter am Barberini und jetzt Künstlerischer Direktor am Museum Frieder Burda in Baden-Baden, wo die Ausstellung ihre erste Station hatte.

In den 1870er Jahren arbeitete Liebermann in Paris, reiste jedoch regelmäßig nach Holland, wo er die zentralen Motive für seine ersten naturalistischen Arbeiten fand. Mit Bildern wie „Die Gänserupferinnen“ feierte er in Paris erste Erfolge. 1889 wurde er eingeladen, auf der Weltausstellung in Paris deutsche Kunst zu zeigen und erhielt eine Ehrenmedaille. Das Musée du Luxembourg kaufte 1894 als erstes Museum ein Werk von Liebermann, „Biergarten in Brannenburg“ (1893), das jetzt im Barberini gezeigt wird.

Berliner Secession

Zurück in Berlin leitete Max Liebermann in den 1890er Jahren als Präsident der Berliner Secession die Oppositionsbewegung gegen die kaiserliche Kunstpolitik. Er sorgte für den Durchbruch des Impressionismus in Deutschland und öffnete den deutschen Kunstbetrieb für die internationale Moderne.

Die Ausstellung im Barberini beleuchtet in acht Kapiteln die Entwicklung des deutschen Impressionismus und seinen kometenhaften Aufstieg. Zu den von französischen Vorbildern inspirierten Motiven gehören die Straßen und Cafés der Großstadt, die etwa Lesser Ury mit Bildern des nächtlichen Berlins in Szene setzt. Segelboote auf dem Wannsee von Philipp Franck oder Gartenlokale an der Havel, die Max Liebermann malt, spiegeln die Freizeitkultur des Bürgertums. Besonders fasziniert waren die deutschen Impressionisten von dem Theatralischen auf der Bühne, dem modernen Tanz oder den Inszenierungen von Max Reinhardt, dessen Flüchtigkeit Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann im Bild festhielten.

Humanismus und Freiheit der Kunst

Das Abschlusskapitel ist Liebermanns Bildern vom Garten seines Sommerhauses am Wannsee gewidmet, für ihn ab 1909 ein Rückzugsort und am Ende - mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus - sein Refugium. Das jüngste Werk in der Schau, ein Selbstporträt von 1934, zeigt den als Juden von den Nazis Verfolgten und politisch Verfemten nachdenklich an der Staffelei. Direktorin Westheider: „Damit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass die Liebermann-Villa am Wannsee heute nicht nur ein Ort der Geschichte des Impressionismus in Deutschland ist, sondern auch ein Mahnmal gegen Rassismus und Antisemitismus.“ Für Max Liebermann zählte der Humanismus und die Freiheit der Kunst, das verhalf dem Impressionismus in Deutschland am Ende zum Erfolg.

Von Sigrid Hoff (epd)