Luthergedenkstätten feiern 30 Jahre Unesco-Welterbe
Eisleben (epd).

In der Lutherstadt Eisleben ist am Wochenende das 30-jährige Jubiläum der Aufnahme der Luthergedenkstätten in das Unesco-Welterbe gefeiert worden. Der Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission, Roman Luckscheiter, würdigte dabei am Samstag die Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt als die mit „ältesten und zugleich innovativsten Museumsorte Deutschlands“. Neben dem Erhalt der historischen Gebäude und der Schriften der Reformatoren um Martin Luther (1483-1546) würden sie vorbildhaft zur Identitätsbildung und als Bildungsstätten in die Gesellschaft hineinwirken.

Auf dem Programm der Feiern rund um „Luthers Sterbehaus“ in Eisleben standen unter anderem Konzerte, Talkrunden, Sonderführungen durch die Dauerausstellungen im Geburts- und Sterbehaus Luthers und am Sonntag ein Festgottesdienst mit dem mitteldeutschen Landesbischof Friedrich Kramer in Luthers Taufkirche St. Petri und Pauli.

Kultur ohne nationalistisches Korsett

Im Dezember 1996 hat die Unesco die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg in die Welterbeliste aufgenommen. Zur Begründung hieß es damals, die historischen Gebäude repräsentierten „einen bedeutsamen Abschnitt in der menschlichen Geschichte“ und seien „als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlich universeller Bedeutung“.

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) sagte bei einem Grußwort am Samstag, zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Orte hätten Bund, Land und die Kirchen gemeinsam weit mehr als 100 Millionen Euro investiert. Sichtbar seien die Erfolge auch in der gestiegenen Gästezahl. Das gelte es auch zu bedenken, wenn nun „Kräfte an die Macht streben“, die die Kultur im Land in ein nationalistisches Korsett zwängen wollten, sagte Robra mit Blick auf die AfD. In diesem Zusammenhang dankte er, dass sich aktuell die Kulturfördervereine im Land einbringen, „wo Freiheit von Kunst und Kultur bedroht sind“.

Der Vorstand der Stiftung Luthergedenkstätten, Thomas Müller, verwies zudem auf die Verantwortung der weltweiten Kulturerbefamilie. Er verurteilte den russischen Drohnenangriff auf das mehr als tausend Jahre alte Höhlenkloster in Kiew (Ukraine) in dieser Woche, das seit 1990 ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört.

Luthers Geburtshaus seit 1693 Gedenkstätte

Die Luthergedenkstätten gehören zu den frühesten Museen in Deutschland, die einer Person, ihrem Wirken und Nachleben gewidmet sind. Luthers Geburtshaus in Eisleben ist bereits seit 1693 Gedenkstätte, im Sterbehaus wurde 1894 ein Museum eingerichtet. Hier hatte der Reformator seine letzten Lebenstage verbracht.

Zudem wurde im Wittenberger Wohnhaus des Reformators mit der authentischen Lutherstube 1883 die „Lutherhalle“ als Museum eingerichtet. Das historische Gebäude wird gegenwärtig umfassend saniert und soll im Sommer 2027 wieder eröffnet werden.

Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt wurde 1997 gegründet. In ihrer Obhut befinden sich fünf Museen: „Luthers Geburtshaus“ und „Luthers Sterbehaus“ in Eisleben, „Luthers Elternhaus“ in Mansfeld sowie das Lutherhaus und das Melanchthonhaus in Wittenberg. Zum Unesco-Welterbe zählen zudem die Stadtkirche und die Schlosskirche in Wittenberg.

Von Thomas Nawrath (epd)