Das Gartenreich Dessau-Wörlitz steht in den Startlöchern für die neue Saison. Nach einem schneereichen Winter zeigten sich im Wörlitzer Schlosspark pünktlich zum Frühlingserwachen am 21. und 22. März die farbenfrohen Frühblüher, sagte Anette Froesch von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz am Mittwoch in Oranienbaum-Wörlitz. Gemeinsam mit der Stadt Oranienbaum-Wörlitz und dem Gewerbeverein werde ein ansprechendes Programm realisiert, das traditionell am Samstag mit dem historischen Umzug zum Schloss beginnt.
Auch die Wörlitzer Kirche und der Bibelturm werden ihre Türen für die Gäste öffnen, hieß es. Ein weiteres Publikumshighlight ist am Sonntagnachmittag das Gondelwettrennen auf dem Wörlitzer See, bei dem die Gondoliere des Parks ihre Kraft und Geschicklichkeit unter Beweis stellen.
250 Jahre Goethe in Wörlitz
Im Jahre 1776 machte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) erstmals im Wörlitzer Gartenreich Station, sagte Froesch. Insgesamt zog es den Dichterfürsten sieben Mal nach Dessau und Wörlitz. Darauf solle im Jubiläumsjahr besonders am Goethe-Thementag im August eingegangen werden. Zudem werde es im „Eichenkranz“ im Juli und August eine Ausstellung der Anhaltischen Goethe-Gesellschaft geben. Goethe und das Fürstenpaar verband die Liebe zu Italien und antiker Kunst, die im Gartenreich in zahlreichen Tempeln, Vasen sowie dem Figurenschmuck der Schlösser weiten Raum einnimmt.
Goethe reiste an der Seite von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auch im Mai 1778 zu Fürst Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) ins frühlingshafte Wörlitz. Es ist überliefert, dass sie mit der Gondel durch die Kanäle fuhren und Goethe, inspiriert durch die Parklandschaft, einen der schönsten Briefe an Charlotte von Stein verfasste. Sogar eine Zeichnung vom Wörlitzer Schloss aus Goethes Hand sei überliefert, sagte Froesch.
Abwechslungsreiches Jahresprogramm
Ab Anfang April gibt es fast täglich thematische Führungen im Gartenreich. Auch Ausstellungen wie „Das ganze Land ein Garten“ im Haus der Fürstin in Wörlitz und die Beteiligung am Bauhaus-Jubiläum im Schloss Oranienbaum zeigten die thematische Vielfalt. Zudem lockten die Schloss- und Seekonzerte in Wörlitz sowie drei besondere Lesungen im Schloss Luisium in Dessau-Waldersee Kulturinteressierte in die Region.
Gleiches gilt für den Kleinkunsttraum im Juni in Oranienbaum, das Sommertheater auf der Insel Stein und den Gartenreichtag zum Geburtstag von Fürst Franz im August, hieß es. Belebend für das Besucheraufkommen wirke zudem der Elberadweg, sagte Froesch. Aber auch mit der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn und den Bussen der „Welterbelinie“ seien viele Ausflugsziele von Dessau-Wörlitz oder Lutherstadt Wittenberg aus umweltfreundlich zu erreichen.
Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist im 18. Jahrhundert zwischen den Städten Dessau und Wittenberg entstanden. Zu der rund 142 Quadratkilometer großen Kulturlandschaft gehören neben Landschaftsgärten auch zahlreiche Bauten, darunter mehrere Schlösser und gut 3.000 Wohngebäude. Seit dem Jahr 2000 gehört das Gartenreich zum Weltkulturerbe der Unesco und ist eines der touristischen Aushängeschilder von Sachsen-Anhalt.