Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntag die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wiedereröffnet worden. Unter den mehreren Hundert Gästen waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirchen und Gesellschaft. In den vergangenen fast sechs Jahren war die unterhalb der Kirche gelegene Gruft wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten geschlossen.
Die Hohenzollerngruft ist die Grablege der brandenburgischen und preußischen Herrscherfamilie. Sie zählt mit ihren 91 Särgen neben dem Escorial in Madrid und der Kapuzinergruft in Wien zu den größten dynastischen Familiengrüften in Europa. Die Umbauarbeiten kosteten nach Angaben der Domverwaltung insgesamt rund 29,5 Millionen Euro.
Lernort für künftige Generationen
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) bezeichnete die Gruft als Ort herausragender Grabkultur und Lernort für künftige Generationen. Die Gruft kenne den Pomp der Monarchie, die Hybris des Kaiserreiches, die NS-Terrorherrschaft, den Bombenhagel des Krieges und die kommunistische Diktatur „und jetzt die behutsame Hand der Demokratie“: „Wir stehen hier an einer mehrfach gebrochenen Stätte“, sagte Weimer.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „einzigartigen Erinnerungsort“. Die Wiedereröffnung der Gruft sei ein Gewinn für Berlin.
Von Licht und Schatten geprägt
Als Vertreter des Hauses Hohenzollern bezeichnete Georg Friedrich Prinz von Preußen die Gruft als ein Zeugnis menschlicher Lebenswege. Die sterblichen Überreste erinnerten daran, dass Geschichte nicht abstrakt sei: „Sie besteht aus Menschen und Entscheidungen, die in ihrer Zeit getroffen wurden.“ Die Geschichte seiner Familie sei wie die Geschichte Deutschlands von Licht und Schatten geprägt, sagte der Vertreter des Hauses Hohenzollern.
An den Umbaukosten beteiligte sich die Domgemeinde mit 9,3 Millionen Euro. Der Bund übernahm mehr als zehn Millionen Euro. Das Land Berlin war mit mehr als neun Millionen Euro beteiligt.
Fast 12.000 bei Tag der offenen Tür
Der Gottesdienst wurde live im Internet übertragen. Bereits am Samstag hatten bei einem Tag der offenen Tür rund 11.700 Menschen die neu gestaltete Gruft beim Rundgang durch den Dom gesehen.
Die Vorsitzende der Union Evangelischer Kirchen (UEK), die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, sagte in ihrer Predigt, im Dom als größter protestantischer Kirche Deutschlands verdichteten sich Epochen deutscher Geschichte, kirchliche Traditionen und politische Umbrüche.
Grund für die Sanierung der rund 1.400 Quadratmeter großen Gruft unter der sogenannten Predigerkirche waren vor allem die Folgen des starken Besucherzuwachses in den vergangenen Jahrzehnten. Durch Feuchtigkeit und Wärme kam es dabei zu Schäden an den bis zu mehr als 500 Jahre alten Särgen aus unterschiedlichen Materialien.
Vor der Corona-Pandemie wurden jährlich bis zu 750.000 Besuchende gezählt. Im vergangenen Jahr waren es rund 630.000 Menschen. Das Bauwerk zählt zu den Touristenmagneten auf der Berliner Museumsinsel.
Zur Finanzierung des Unterhalts des riesigen Kirchbaus erhebt die rund 1.800 Mitglieder umfassende Domgemeinde eine sogenannte Domerhaltungsgebühr zum Eintritt. Diese beträgt seit Sonntag 15 Euro, früher zehn Euro.