Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen von Samstag an im Albertinum Skulpturen der Moderne ausschließlich aus eigenem Bestand. Viele der Werke aus der Zeit um 1900 seien seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen, sagte die Direktorin des Albertinums, Hilke Wagner, am Freitag in Dresden. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten französischer und belgischer Künstler, darunter Auguste Rodin (1840-1917), Constantin Meunier (1831-1905) und Albert Bartholomé (1848-1928).
Unter dem Titel „Das Große Drama. Auguste Rodin und der Streit um die Moderne“ werden rund 100 Werke gezeigt, neben rund 70 Skulpturen der Jahrhundertwende auch einige Gemälde, Medaillen, Fotografien und handschriftliche Briefe. Die Ausstellung vereint Wagner zufolge einen Großteil der vor mehr als 130 Jahren für die Dresdner Sammlung erworbenen Plastiken. Zusammengetragen hat den Bestand der Archäologe und frühere Direktor der Skulpturensammlung im Albertinum, Georg Treu (1843-1921).
Debatte um Ankäufe
Seine Ankäufe zeitgenössischer Kunst habe er gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt, sagte Wagner. Treu sorgte laut der Direktorin dafür, dass Dresden um 1900 zu einem Zentrum der Moderne wurde. Er hatte bereits 1894 mit dem Erwerb der Werke „Das Eherne Zeitalter“ und „Mann mit gebrochener Nase“ von Auguste Rodin den Grundstein für die Dresdner Sammlung gelegt.
Sein erklärtes Ziel war es, zu zeigen, „was in der Weltplastik in unserer Zeit geleistet wird“. Sein Blick habe sich vor allem auf Paris als Zentrum künstlerischer Innovation gelegt, sagte Wagner. Das Dresdner Albertinum wurde zu einem der ersten Museen in Deutschland, die zeitgenössische Kunst systematisch in die Sammlung integrierten. Rodin besuchte auch mehrfach Dresden und freundete sich mit Treu an.
Kunstwerke aus Gips
Ein Schwerpunkt der Ausstellung und der Dresdner Sammlung liegt auf Kunstwerken aus Gips. Treu erwarb unter anderem originale Plastiken aus diesem Material von Rodin, darunter eine frühe Fassung von „Der Denker“ und „Die innere Stimme“, ein Frauentorso.
Laut der Kuratorin Astrid Nielsen wurden von den 53 präsentierten Gipswerken 37 für die Ausstellung restauriert. Zu sehen sind zudem Bronzen und Keramiken. Ein Relief von Alexandre Charpentier (1856-1909) aus fast 200 Kacheln werde während der Laufzeit der Schau noch aufgebaut, kündigte Nielsen an. Es zeige Szenen aus der Backstube.
Pariser Friedhofsdenkmal
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist laut der Kuratorin zudem ein Abguss des Werks „Monument aux morts“ des französischen Künstlers Bartholomé. Das 9 mal 3,50 Meter große Original steht als „Denkmal für die Toten“ auf dem Pariser Friedhof Pere-Lachaise.
Die Ausstellung ist bis zum 22. August 2027 im Albertinum zu sehen. Sie wurde unter anderem von der Kulturstiftung der Länder unterstützt.
Der Titel „Das große Drama“ verweist auf die Debatten, die Treus Entscheidung auslöste, zeitgenössische Kunst im Museum zu sammeln und zu präsentieren. Zum anderen bezieht er sich auf die Sujets der Bildhauer der Moderne, die grundsätzliche Themen des Lebens behandelten: Liebe und Tod, Kampf und Krieg, Selbstbehauptung und Verlust, Leid und Alltag, aber auch Mythos und Geschichte.