300 Jahre Dresdner Frauenkirche: Genialer Entwurf und Italien-Flair
1726 wurde der Grundstein gelegt
Dresden (epd).

Gut 90 Meter erhebt sich die Dresdner Frauenkirche in die Höhe. Scheinbar schwerelos schwebt die riesige Haube über dem quadratischen Grundriss - dabei wiegt die Kuppel aus Sandstein mehr als 12.000 Tonnen. Es ist ein architektonisches Meisterwerk, dessen Grundstein vor 300 Jahren gelegt wurde, am 26. August 1726.

Selbstverständlich ist es nicht, dass der Bau heute wieder in Dresdens Zentrum steht: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Frauenkirche bei Bombenangriffen komplett zerstört. Erst in den 1990er Jahren begann der Wiederaufbau nach historischem Vorbild, 2005 wurde die Kirche geweiht. Die Errichtung des barocken Originals vor 300 Jahren hatte 17 Jahre gedauert.

Davor gab es mehrere Vorgängergebäude, laut Stiftung der Frauenkirche wurde erstmals im 11. Jahrhundert ein Bau urkundlich erwähnt. Die letzte Vorgängerkirche war zu klein geworden und drohte außerdem einzustürzen. 1722 beschloss der Rat der Stadt Dresden daher einen Neubau. Den Auftrag erhielt Ratszimmermeister George Bähr.

Zunächst Turm aus Holz und Kupfer geplant

Das Projekt war schon damals von vielen Diskussionen begleitet. Und es war eine Art Gemeinschaftswerk. Torsten Remus vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen sagt: „Die Form der Kirche geht nicht allein auf Bähr zurück.“ Es seien vor allem auch Ideen von Ratsmauermeister Johann Gottfried Fehre, Steinmetzmeister Daniel Ebhardt und Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel eingeflossen.

Letzten Endes sei der Zentralbau ein „genialer architektonischer Entwurf“, sagt Remus. „Bähr wollte allerdings nie eine Steinkuppel bauen.“ Der Zimmermeister habe einen hölzernen Turm mit Kupferdach vorgesehen. Sein Entwurf war auch insgesamt schlichter. Die Entscheidung, die Kuppel in Stein auszuführen, sei während des Bauens entstanden - aus Kostengründen, wie Remus sagt: „Das böhmische Holz und Kupfer waren erheblich teurer als die Sandsteine aus Pirna, die zum kurfürstlichen Einkaufspreis gekauft werden konnten.“

August der Starke nimmt Einfluss

Mit dem evangelischen Sakralbau setzte die Dresdner Bürgerschaft damals im 18. Jahrhundert ein selbstbewusstes Zeichen. Doch der Hof mischte sich ein: Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) veranlasste, den Entwurf Bährs zu überarbeiten. Oberlandbaumeister Knöffel führte dies schließlich aus.

Auch die Kirchenverantwortlichen wollten beim barocken Neubau mitreden. Sie wehrten sich vor allem gegen die Auflösung des alten Kirchhofes mit den Grabstätten. Schon 1714 wollte August der Starke den Friedhof beseitigt haben, weil seiner Meinung nach „in Residenzen und Festungen sich nicht wohl Kirchhöfe schicken“ und sie die Luft „infizieren“. Schließlich wurden wegen des Kirchenneubaus bis 1727 zahlreiche Grabstellen umgebettet, vor allem, um Platz zu schaffen. Bis dahin fanden in der baufälligen Vorgängerkirche auch noch Gottesdienste statt.

Die neue Kirche wurde schon 1734 geweiht, neun Jahre vor ihrer Fertigstellung. Es gab noch keine Orgel und nur einen provisorischen Altar, die Hauptkuppel war im Bau. Den Abschluss der Arbeiten im Jahr 1743 erlebte Bähr nicht mehr, er starb 1738.

9.000 originale Steine aus Ruine geborgen

Die barocke Frauenkirche stand mehr als 200 Jahre, bis zu den alliierten Bombenangriffen vom Februar 1945 auf Dresden. „Die 1945 entstandene Fehlstelle war eine Wunde, die es galt, wieder zu schließen“, erinnert sich Remus an den Wiederaufbau, den er begleitete. Aus dem etwa 15 Meter hohen Trümmerberg auf dem Dresdner Neumarkt wurden Steine und Fassadenteile geborgen, untersucht, nummeriert und zugeordnet. Anhaltspunkte seien Fotos und die Beschaffenheit der Steine gewesen, sagt Remus.

Etwa zwei Drittel der Baumasse der wiederaufgebauten Frauenkirche sind laut dem Denkmalpfleger original. Ein Großteil der knapp 9.000 identifizierten historischen Steine sei ins Bauwerk zurückgekehrt. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau betrugen rund 180 Millionen Euro.

Der bauliche Zustand der neuen Frauenkirche ist laut dem leitenden Architekten Thomas Gottschlich heute hervorragend. Viele technische Anlagen seien modernisiert worden, die Beleuchtung sei in einem Topzustand.

Jährlich eine Million Euro für Erhalt

Der anfangs helle Sandstein patiniert - das heißt, er wird grauer. Dabei entstehe auch eine Schutzschicht gegen eindringende Feuchtigkeit, sagt Gottschlich. Dies sei ein chemischer Prozess, der dem Bauwerk helfe. Für den Erhalt des Gebäudes sind jährlich etwa eine Million Euro notwendig.

Mit der Frauenkirche kam auch italienisches Flair nach Dresden, wie der Kunsthistoriker Fritz Löffler (1899-1988) es einst beschrieb: August der Starke habe „die Idee der Elbe als einer Wasserstraße gleich dem Canale Grande“ in Venedig verfolgt. Die Dresdner Augustusbrücke sei daher ähnlich der Rialtobrücke über den Fluss gewölbt. Und die Frauenkirche könnte mit der Basilika Santa Maria della Salute in der italienischen Lagunenstadt verglichen werden - aber ebenso mit dem Dom in Florenz mit seiner prägenden Kuppel.

Von Katharina Rögner (epd)