Am Sonntag ist die größte und letzte neu gegossene Glocke für das Geläut des Magdeburger Doms der Öffentlichkeit präsentiert worden. Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer und der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), enthüllten die Bronzeglocke Credamus („Lasst uns glauben“). „Wir sind froh und glücklich und feiern die neue Glocke mit hunderten Gästen hier im Dom“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Andreas Schumann. Bis zum Jahr 2031 sollen alle neuen Glocken in den Domtürmen erklingen, hat Schulze angekündigt.
Der Glockenverein habe gezeigt, dass man ein Ziel erreichen könne, wenn man daran glaubt. „Und jetzt geht es darum, dass wir diese Glocken im Dom an die Stellen bekommen, wo sie hingehören“, sagte der Ministerpräsident. Das bedürfe noch viel Arbeit und auch Geld und weiterhin das Engagement des Fördervereins. „Spätestens bis zum Mai 2031 sollen die Glocken im Dom läuten, wenn sich die Zerstörung Magdeburgs im 30-jährigen Krieg zum 400. Mal jährt“, sagte Schulze.
„Glocken zu gießen ist ein schönes Zeichen, ein Friedenszeichen“, sagte Bischof Kramer. Denn in Kriegszeiten wurden Glocken oftmals zu Kanonen umgegossen. Dass für den Magdeburger Dom nun acht Bronzeglocken in acht Jahren gegossen wurden, sei für ihn ein ermutigendes Zeichen, dass Frieden möglich sei, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er wünsche sich, dass diese Glocken über Jahrhunderte hinweg „auch immer zum Frieden rufen“ werde.
15 Tonnen schwer
Der Guss der Credamus war am 28. November vergangenen Jahres in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck (Österreich) erfolgt. Sie hat den tiefen Schlagton „d0“ und ein Gewicht von 15 Tonnen. Damit sei sie nach Angaben des Glockenvereins die weltweit größte Bronzeglocke einer evangelischen Kathedrale und nach dem „Dicken Pitter“ im Kölner Dom die zweitgrößte Glocke Deutschlands. Bei einem Durchmesser von nahezu drei Metern ist sie 2,55 Meter hoch.
Auf ihrer Rückseite zeigt die nun größte aller Magdeburger Domglocken die Bildnisse von neun im Zweiten Weltkrieg zerstörten oder zu DDR-Zeiten abgerisenen Magdeburger Kirchen. Die Glockenzier der Credamus und der anderen neu gegossenen Glocken wurde vom Thüringer Künstler Gert Weber geschaffen.
Acht Glocken wurden neu gegossen
Seit 2018 setzt sich der Verein für die Wiederherstellung des kompletten Geläuts mit zwölf Glocken ein. Neben der Reparatur einer historischen Glocke wurden acht neue Glocken gegossen. Dafür haben Spender bisher rund 1,1 Millionen Euro aufgebracht. Im nächsten Schritt sollen die Klöppel der Glocken sowie die Joche und Läutevorrichtungen vom Verein beauftragt werden.
Parallel werde die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Domes die Westtürme für den Einbau der Glocken herrichten, damit die Fertigstellung des gesamten Geläuts mit insgesamt rund 42 Tonnen Gewicht bis 2031 erreicht werden kann.