Theologin Käßmann bei Buchpremiere "Oasen im Osten"
Leipzig (epd).

Die evangelische Theologin und Autorin Margot Käßmann appelliert, sich in der Gesellschaft auch im Kleinen zu engagieren. Jeder und jede müsse sich fragen: „Was kann ich leisten?“, sagte Käßmann am Dienstagabend anlässlich der Buchpremiere von „Oasen im Osten 2“ in Leipzig. „Es geht darum, dass du mit Anstand im Leben Haltung zeigst“, betonte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die ein Vorwort zum Buch geschrieben hat.

Es gebe viele Menschen, die nicht in die Geschichtsbücher eingehen, aber an ihrem Ort etwas veränderten, sagte Käßmann, die im niedersächsischen Hannover und auf der Ostseeinsel Usedom lebt. Vor allem brauche es „Menschen, die gemeinsam etwas verändern wollen“ und in die Zukunft schauen. Das Buch erzähle von „Oasen, die zeigen: Es macht Spaß, zusammen in diesem Land zu leben.“

22 Orte voller Ideen

Herausgeber der „Oasen im Osten 2. Entdeckungen in den neuen Ländern“ ist der Theologe und Bürgerrechtler Frank Richter. Das Buch stellt 22 meist weniger bekannte Orte zwischen der Insel Rügen und dem Erzgebirge aus mehreren Perspektiven vor. Mehr als 50 Autorinnen und Autoren erzählen von Menschen mit Ideen und Projekten. Richter hatte 2025 den ersten Band „Oasen im Osten“ im Leipziger St. Benno Verlag vorgelegt.

Unter den „Oasen 2“ sind das ehemalige Ferienhaus der Eltern des Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) in Friedrichsbrunn (Sachsen-Anhalt), die Werkstatt des Instrumentenbauers Robert Wallschläger in Carlsfeld (Sachsen) und das „Theater am Rand“ im Dorf Zollbrücke (Brandenburg). Ein Kapitel widmet sich dem Festival für Demokratie und Toleranz in Jamel (Mecklenburg-Vorpommern), das jährlich von dem Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer veranstaltet wird.

Die Berichte sollen laut dem Herausgeber Aufbruch, Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Gestaltungswillen zeigen. Richter betonte: Das Buch sei „Ausdruck der Suche nach den tief liegenden geistigen Wurzeln, aus denen sich die Kultur unseres Landes speist“. Er plädierte dafür, „Menschen, die bisher nichts voneinander wissen, aufeinander aufmerksam zu machen“. Eine Gesellschaft müsse in einem konstruktiven Sinn zusammenfinden.