Der langjährige Erfurter Bischof Joachim Wanke ist tot. Wie das Bistum Erfurt mitteilte, starb der 84 Jahre alte Theologe am frühen Donnerstagmorgen im Katholischen Krankenhaus der Thüringer Landeshauptstadt. Dort war er seit dem 6. März palliativ behandelt worden.
Für das Bistum würdigte Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr den Verstorbenen als einen bedeutenden Geistlichen und Theologen, von dem wegweisende und ermutigende Impulse nicht nur für das Leben der katholischen Kirche in der Diaspora Ostdeutschlands ausgegangen seien. Er habe auch das Leben der katholischen Kirche in Deutschland geprägt. Während der deutschen Teilung haben seine klare Haltung und seine stets wohl gewählten Worte laut Neymeyr vielen Christen in der DDR Mut und Zuversicht vermittelt.
Mut und Zuversicht vermittelt
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, bezeichnete Wanke als einen „beeindruckenden Seelsorger und theologischen Visionär“. Er habe nicht nur den theologischen Kurs in der ostdeutschen Diaspora entscheidend mitgeprägt. Auch im Zusammenwachsen der katholischen Kirche nach der deutschen Einheit habe er als Erfurter Bischof sichtbare Spuren hinterlassen. Er sei stets für eine Kirche eingetreten, die Unrecht benenne und zugleich Perspektiven für das Zusammenleben eröffne.
Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hob Landesbischof Friedrich Kramer das Engagement Wankes für die Ökumene hervor. Der Verstorbene habe beharrlich das Verbindende zwischen den Konfessionen gesucht und den Austausch zwischen evangelischer und katholischer Kirche in der Region gestärkt. Sein Einsatz für ein geschwisterliches Miteinander der Kirchen wirke bis heute nach. Über Jahrzehnte hinweg habe er damit wichtige Impulse für das kirchliche Leben in Mitteldeutschland gesetzt.
Sechs Jahrzehnte im priesterlichen Dienst
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) erinnerte an Wankes enge Verbundenheit mit der Region. Mit seinem Anspruch, „das Evangelium auf mitteldeutsch zu verkünden“, habe er seine Nähe zu den Menschen gezeigt. Nach der friedlichen Revolution habe er den „Weiterbau in Freiheit“ vorangetrieben. Die Bistumsgründung und der Erhalt beziehungsweise die Überführung der Katholisch-Theologischen Fakultät in die Universität Erfurt seien dabei große und gelungene Herausforderungen gewesen.
Wanke stand fast sechs Jahrzehnte im priesterlichen Dienst und mehr als vier Jahrzehnte im bischöflichen Amt. Der 1941 in Breslau geborene Geistliche war der erste Bischof des 1994 neu errichteten Bistums Erfurt. Nach der Vertreibung seiner Familie wuchs er in Ilmenau in Thüringen auf.
Digitales Kondolenzbuch
Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte der Besuch von Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Erfurt. Seit seinem Rücktritt 2012 lebte er als emeritierter Bischof in Erfurt.
Das Bistum Erfurt hat Trauernden die Möglichkeit eröffnet, sich in ein digitales Kondolenzbuch einzutragen. Bereits in den ersten Stunden nach Bekanntwerden seines Todes hinterließen Dutzende Gläubige, Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter Beileidsbekundungen und gemeinsame Erinnerungen an den Menschen Joachim Wanke.