Das Weingut der Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer Erfurt hat am Montag seinen neuen Standort in der Nähe des Flughafens eröffnet. Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, und der katholische Erfurter Bischof, Ulrich Neymeyr, segneten die Weinwerkstatt anlässlich der Einweihung. Die beiden Geistlichen erinnerten dabei an die jahrtausendealte Bedeutung von Wein als Alltagsgetränk. Der Alkohol im Wein töte Keime ab und habe ihn früher zu einem gesunden Getränk gemacht.
Die Kelterei mit angeschlossener Straußwirtschaft sei der Schlussstein des Aufbaus des Betriebs, sagte Präses Ralf Schwenken. Noch sei nicht alles fertiggestellt. So fehlten etwa die Außenhaut der Fassade und die Außenanlagen. Doch die Kelterei werde dringend gebraucht. Aufgrund der erfreulich großen Rebenmenge in diesem Jahr müsse nun mit der Lese begonnen werden.
Sowohl der Wein als auch der Neubau brauchen Zeit
Wie Wein brauche auch ein Neubau seine Reifezeit, sagte Schwenken. Der Standort solle nicht nur der Herstellung und Präsentation von Wein dienen, sondern auch ein Raum der Begegnung und Gastfreundschaft sein. Wein besitze in der christlichen Tradition eine hohe symbolische Bedeutung und stehe für Gemeinschaft und Freude.
Über drei Millionen Euro wurden in den Weinbetrieb investiert. Der Standort im Gewerbegebiet des Erfurter Flughafens ergibt sich laut Schwenken aus der Nähe zu den kirchlichen Weinbergen in etwa einem Kilometer Entfernung. Neben der Kelterei und Erfurts erstem Winzer-Ausschank sind auf dem Gelände auch Verwaltungs- und Tagungsräume sowie Lagerräume entstanden.
Beispiel für die verbindende Arbeit der Kirchen
Aktuell keltert die Stiftung noch in angemieteten Räumen eines befreundeten Winzers in Weimar. Parallel wird den Angaben zufolge erstmals auch Schaumwein in den Gewölben unter dem Erfurter Dom gekeltert. Die Weinberge liegen in unmittelbarer Nähe zum Hauptfriedhof der Stadt. Künftig könnten alle Betriebsstandorte mit der Straßenbahn angefahren werden, sagte Schwenken. Auch das sei außergewöhnlich.
Thüringens Chef der Staatskanzlei, Stefan Gruhner (CDU), sprach von dem Projekt als Zeichen für die verbindende Arbeit von Kirche, gerade in Zeiten, in denen die Werte des Christentums von Teilen der Gesellschaft infrage gestellt würden. Weingenuss stehe für Zusammenleben.
Gekeltert werden bereits mehrfach prämierte Bioweine
Landtagspräsident Thadäus König (CDU) nannte den Begriff Weinwerkstatt für die Zentrale des Weinguts klug gewählt. Denn hier werde Wein nicht nur zur Schau gestellt. Der Name verweise auch auf die Arbeit und das Handwerk, die hinter der Produktion stünden. In Verbindung mit den kulturellen Angeboten, die in der Straußwirtschaft geplant seien, entstehe hier ein Ort, der über Konfessionsgrenzen hinaus Freunde finden werde. Bei allem Trennenden in der Ökumene herrsche doch Einigkeit in Fragen des Weingenusses.
Geleitet wird der Weinbetrieb vom Weinwissenschaftler Tom Andrä. Der gebürtige Sachse hat zuvor als Kellermeister unter anderem im Saale-Unstrut-Gebiet gearbeitet. Das neue Weingut ist Mitglied im Verband ökologisch arbeitender Weingüter Ecovin. Die bislang gekelterten Weine wurden bereits mehrfach prämiert.