Weimer: AfD und Linke produzieren "positive Zerrbilder der DDR"
Frankfurt a.M. (epd).

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) warnt zum 65. Jahrestag des Mauerbaus vor einer Verharmlosung der DDR-Diktatur. AfD und Linkspartei würden „in Ostdeutschland positive Zerrbilder der DDR produzieren. Bei der AfD reicht das bis zum Singen der DDR-Nationalhymne“, sagte Weimer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag) mit Blick auf eine AfD-Veranstaltung mit dem Kabarettisten Uwe Steimle Mitte Juli in Dessau. Die Beauftragte des Bundestages für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, kritisierte, die DDR werde von manchen als „gemütlich und gemeinschaftlich“ verklärt.

„Private nostalgische Erinnerungen sind zutiefst menschlich“, sagte Zupke der Zeitung. Problematisch werde es jedoch, „wenn Diktatur und Überwachung in Vergessenheit geraten“. Wer nicht konform sein wollte oder konnte, habe kein gutes Leben in der Diktatur führen können.

Weimer: Straßen nach DDR-Widerstandskämpfern benennen

Der für Gedenkstätten zuständige Staatsminister Weimer macht sich nach eigenen Worten „große Sorgen“ um die Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt und Berlin, wo im September Wahlen stattfinden. „Wenn Sachsen-Anhalt nach rechts außen und Berlin nach links außen abrutscht, dann wird die Erinnerungspolitik in beiden Fällen anders sein als zuvor“, sagte Weimer. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine absolute Mehrheit erreichen, in Berlin führt in einigen Umfragen die Linkspartei.

Als „aktive Form der Erinnerungsarbeit“ regte Weimer an, Straßen und Plätze nach Widerstandskämpfern aus der DDR zu benennen. „Zum Beispiel überall dort, wo neue Straßen entstehen, sollte man zumindest über Namensgeber nachdenken, die durch die kommunistische Diktatur getötet wurden oder im Gefängnis saßen“, sagte er.

Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße

Die SED-Opferbeauftragte Zupke sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag), die Zeit nach der deutschen Vereinigung sei für einige ehemalige DDR-Bürger von „schmerzhaften Erfahrungen“ überlagert worden. Diesen Erfahrungen sei oft nicht genug Raum gegeben worden. Vieles davon werde bis heute über Generationen weitergegeben. „Wenn dann kein Korrektiv dazukommt - etwa durch Schule oder Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen - bleibt oft nur eine einseitige und nostalgische Erzählung hängen, während die Realität der Diktatur verschwimmt“, erläuterte sie.

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus wird am Donnerstag in Berlin an die Opfer der deutschen Teilung erinnert. Die Grenzanlagen wurden ab dem 13. August 1961 errichtet, in den Folgejahren kamen mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben. Mit dem Mauerfall vom 9. November 1989 endete die Teilung. Zu einer Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße werden für den Vormittag unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Kulturstaatsminister Weimer erwartet.

Von Karsten Frerichs (epd)