Marienborn erinnert an Mauerbau und Opfer des DDR-Grenzregimes
Marienborn (epd).

Mit einer Gedenkveranstaltung am früheren Grenzübergang Marienborn ist am Donnerstag an die Errichtung der Berliner Mauer vor 65 Jahren und die Opfer des DDR-Grenzregimes erinnert worden. Als Folge des Mauerbaus in Berlin habe die DDR ab dem 13. August 1961 auch die innerdeutsche Grenze abgesperrt und tausende Menschen zwangsweise aus grenznahen Orten umgesiedelt, teilte die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt mit. „An sie und an jene, die durch das DDR-Grenzregime ihre Freiheit, ihre Gesundheit und ihr Leben verloren, erinnert die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn 65 Jahre nach dem Mauerbau“, sagte die Leiterin der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Susan Frisch.

Am Nachmittag sprach die frühere Leistungssportlerin Ines Geipel in Marienborn zum Jahrestag des Mauerbaus. Geipel hatte sich für die Aufarbeitung des DDR-Staatsdopings eingesetzt. Als Autorin des Buchs „Generation Mauer“ beleuchtete sie zudem das Leben in beiden deutschen Staaten und die Folgen der Diktaturvergangenheit.

Freiheit und Demokratie erkämpfen und beschützen

In seinem Grußwort betonte Sachsen-Anhalts stellvertretender Ministerpräsidenten, Armin Willingmann (SPD), mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen, dass Freiheit und Demokratie nie naturgegeben und niemals ein für alle Mal gesichert seien. Sie müssten erkämpft, geschützt und verteidigt werden. „Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde die Teilung der Welt des Kalten Krieges buchstäblich in Stein, Beton und Stacheldraht gemeißelt“, sagte der Politiker. Für 28 Jahre wurde die geteilte Republik zur „Wirklichkeit, die Familien und Freunde trennte und Millionen Menschen ihrer Freiheit beraubte.“

Der Satz von SED-Chef Walter Ulbricht „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ sei zum Sinnbild für die politische Lüge geworden. Auch die Bezeichnung „antifaschistischer Schutzwall“ habe nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die Grenzanlagen vor allem den Zweck hatten, die Menschen in der DDR daran zu hindern, auszureisen.

Größter Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze

Der frühere Grenzübergang Marienborn-Helmstedt entwickelte sich ab 1974 zum größten und bedeutendsten Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze. Bis zum Fall der Mauer 1989 war Marienborn zugleich wichtiger Bestandteil des todbringenden DDR-Grenzregimes. Zeitweise waren dort mehr als 1.000 Bediensteten von Polizei, Zoll, Grenztruppen und Staatssicherheit tätig, um den Transitverkehr zwischen Westdeutschland und West-Berlin zu kontrollieren.

Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde „aus dem einstigen Ort der systematischen Kontrolle und Überwachung ein national und europäisch bedeutsamer Ort des Gedenkens an die Opfer und des Erinnerns an Leid und Unrecht von 1945 bis 1989“, sagte Gedenkstättenleiterin Frisch. „Die Toten an der Grenze waren in der DDR ein Staatsgeheimnis. Umso wichtiger ist es heute, die Opfer beim Namen zu nennen und ihre Schicksale sichtbar zu halten“, ergänzte Minister Willingmann.

In den 30 Jahren ihres Bestehens besuchten mehr als 3,5 Millionen Menschen die Gedenkstätte Marienborn und das unweit gelegene Grenzdenkmal Hötensleben, das die DDR-Grenzsicherungsanlagen im Ausbaustand von 1989 dokumentiert.

Von Thomas Nawrath (epd)