Strom zurück: Lage im Berliner Südwesten stabilisiert
Berlin (epd).

Nach rund 100 Stunden Stromausfall hat sich am Mittwoch mit der Wiederaufnahme der Stromversorgung die Lage im Berliner Südwesten normalisiert. Noch rund 500 Haushalte von ursprünglich 45.000 waren am Mittwochmittag ohne Strom, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) in der Hauptstadt. Die ausgerufene Großschadenslage bleibe aber vorerst bestehen, erklärte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Etwa in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sollten öffentliche Notstromaggregate aus Sicherheitsgründen noch angekoppelt bleiben, um das Netz zu entlasten.

Träger von Pflegeeinrichtungen wollen sich künftig besser auf derartige Notlagen einstellen. Eine Sprecherin des „Diakonie-Pflege Verbunds Berlin“ sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), eine engere Kommunikation zwischen Verwaltung und besonders betroffenen Bereichen wie Pflegestationen sei für zukünftige Fälle wünschenswert. Dies gelte etwa für die Bereitstellung von beheizten Schlafräumen und die Lieferung von warmem Essen.

Schulen bleiben noch geschlossen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnte insbesondere einen besseren Schutz der Stromversorgung an. Ein „vollumfänglicher Routinebetrieb“ der Kliniken könne allein über Notstromaggregate nicht sichergestellt werden, sagte Vorstandschef Gerald Gaß der „Augsburger Allgemeinen“. Zwar seien Krankenhäuser in der Regel mit solchen Geräten ausgestattet, diese sicherten jedoch nur für begrenzte Zeit einen Grundbetrieb.

Die Schulen in den betroffenen Gebieten bleiben vorsorglich bis zum Ende der laufenden Woche geschlossen, teilte die Senatsbildungsverwaltung mit. Ein sicherer Schulbetrieb könne nicht direkt gewährleistet werden. Zunächst müssten unter anderem Brandmeldeanlagen und sicherheitsrelevante Systeme überprüft werden. Zudem dauere es, bis die Schulgebäude wieder vollständig beheizt und betriebsbereit sind. Die Notbetreuung bleibe in gleicher Form bestehen wie in den vergangenen Tagen.

Unterstützung kam in den vergangenen Tagen unter anderem von den öffentlichen Bibliotheken und den städtischen Bädern im betroffenen Gebiet. Auch die evangelischen Kirchgemeinden boten Räume zum Aufwärmen, Lademöglichkeiten und sanitäre Anlagen an.

Distanzierung von angeblicher „Vulkangruppe“

Die Ermittlungen zu dem Brandanschlag am Samstagmorgen hatte am Dienstagabend der Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernommen. Spranger sagte, die Attacke sei „hochkonspirativ vorbereitet und mit enormer krimineller Energie ausgeführt” worden. Zu dem Anschlag hatte sich zunächst eine linksextreme “Vulkangruppe” bekannt.

In der Nacht auf Mittwoch wurde ebenfalls unter dem Namen „Vulkangruppe” auf der linksautonomen Plattform “Indymedia” eine Distanzierung veröffentlicht. „Unser früheres Handeln wird benutzt, um aktuelle Angriffe zu legitimieren, zu erklären oder politisch aufzualden. Das weisen wir zurück.” Die Texte und Aktionen der vergangenen Jahre stammten nicht von ihnen. “Wir waren die Vulkangruppe der Jahre 2011”, hieß es weiter. Ziel seien damals Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte gewesen. Laut Spranger bewertet der Generalbundesanwalt das neue Schreiben nicht als Indiz, das gegen einen "linksterroristischen Täterkreis” spreche.

Von Jonas Grimm (epd)