Sachsen-Anhalt will bei Fachkräftegewinnung neue Wege gehen
Magdeburg (epd).

Sachsen-Anhalt will neue Wege in der Fachkräftegewinnung gehen. Ausgehend von einem weiterhin hohen Bedarf an Fachkräften, aber oftmals unzureichender Qualifizierung bei vielen Arbeitssuchenden brauche es neue Ansätze, sagte Landesarbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Mittwoch in Magdeburg. „Unser Land muss alle Beschäftigungspotenziale erschließen“, betonte die Ministerin.

Ausländische Fachkräfte seien dabei „sehr bedeutend“ und hätten auch in der jüngeren Vergangenheit bereits Mangel abgefedert, beispielsweise im Pflegesektor, auf dem Bau und in der Logistik. Nach den Worten des Leiters der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Markus Behrens, braucht es aber weitere Aktivitäten, da die „konjunkturelle Eintrübung“ auch Sachsen-Anhalt getroffen habe.

Drei Schwerpunkte

Die Landesinitiative verfolge drei Bereiche: „Ein erster Schwerpunkt liegt bei der Qualifizierung und Sprachförderung geflüchteter Frauen aus der Ukraine“, sagte Ministerin Grimm-Benne. Seit Oktober läuft ein Projekt im Landkreis Harz mit 16 Teilnehmerinnen, die zu Buchhalterinnen qualifiziert werden. Ähnliches sei auch andernorts denkbar, beispielsweise für den Hotel- und Gaststättensektor oder im Bereich Automotive.

Zum zweiten sollen landesweit 25 Jobkoordinatoren vor allem bei kleineren Firmen Stellen ausfindig machen und gemeinsam mit den Jobcentern geeignete Arbeitskräfte ansprechen. Dafür seien rund drei Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom Land eingeplant.

Ein dritter Punkt zielt auf die Gewinnung von Mitarbeitern für den Pflege- und Gesundheitsbereich, sagte Grimm-Benne. Dafür würden 1,47 Millionen Euro eingesetzt.

„Wir wollen Sachsen-Anhalt zu einem Bleibeland machen, wo die Menschen sich wohlfühlen“, sagte die SPD-Politikerin. Das Land könne dabei auch mit guter Kinderbetreuung punkten.

Zahl der Arbeitslosen gestiegen

Mit dem Wintereinbruch sind Bauprojekte weitgehend zum Erliegen gekommen. Hinzu komme der alljährliche Effekt, dass zum Jahresende kaum Neueinstellungen vorgenommen werden oder Arbeitsverträge auslaufen, sagte Behrens. Entsprechend sei die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt im Dezember auf 88.561 gestiegen, 2.732 Personen mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2.726 Arbeitslose mehr registriert, was einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,7 auf 8,0 Prozent bedeute. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen sei weiter angestiegen. Behrens zeigte sich aber optimistisch, dass 2026 Verbesserungen spürbar werden.

Von Thomas Nawrath (epd)