Streit um AfD-Kranz überschattet Gedenken an den 20. Juli
Berlin (epd).

Nach einem Vorfall um einen AfD-Kranz beim Gedenken an den Jahrestag des Hitler-Attentats hat die Stiftung 20. Juli 1944 eine politische Vereinnahmung des Gedenkens zurückgewiesen. Die Gedenkfeier diene „ausschließlich dem würdigen Erinnern an die Opfer und den Widerstand“, teilte die Stiftung am Montagabend mit. Sie sei „kein Ort für parteipolitische Inszenierungen oder politische Auseinandersetzungen“.

Gleichzeitig hieß es in der Stellungnahme, die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock „verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst“. „Die Stiftung 20. Juli 1944 versteht diese Empörung“, hieß es. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, „steht im Widerspruch zu den Überzeugungen“, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten sind.

Der Stiftungsvorsitzende Robert von Steinau-Steinrück bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, in ein Handgemenge um den Kranz verwickelt war. Dabei wurde versucht, den Kranz zu entfernen. AfD-Politiker seien daran jedoch nicht beteiligt gewesen, sondern Sicherheitsbeamte, sagte von Steinau-Steinrück.

Stauffenberg-Enkel: „Dafür sind wir Demokraten“

Auch der Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), Karl Schenk Graf Stauffenberg, äußerte sich zu dem Vorfall. „Zunächst einmal darf man der AfD, glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen“, sagte er dem Fernsehsender „Welt TV“. „Dafür sind wir Demokraten“, andersdenkende Menschen müssten zu Wort kommen dürfen. Gleichzeitig sei es „ganz grauenhaft und ganz widerlich“, wie die AfD mit seinem Großvater umgehe, weil sie das Stauffenberg-Erbe „für die eigenen Zwecke missbraucht“.

Der Streit ereignete sich vor der eigentlichen Feierstunde am Montagvormittag. Von Steinau-Steinrück rief dabei dazu auf, nach dem Vorbild des Widerstands auch heute „Gräben zu überwinden, die uns vermeintlich trennen“. Die Gegnerschaft zu Hitler habe Menschen geeint, „die sich in normalen politischen Zeiten vermutlich nicht einmal auf der Straße gegrüßt hätten“.

Prien und Evers würdigen Widerstand

Die Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und der Berliner Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU) wiesen ebenfalls auf die Breite des Widerstands abseits des Militärischen hin, etwa den kirchlichen, gewerkschaftlichen und kommunistischen Widerstand. „Der 20. Juli erinnert uns daran, dass die Verantwortung für das eigene Land und die Verantwortung für seine Werte untrennbar miteinander verbunden sind“, sagte Evers.

Prien, deren Großvater jüdisch war, betonte ihre eigene Verbindung zur NS-Zeit: „Ich stehe hier als Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Schoah.“ Die Grundhaltung ihres Großvaters sei gewesen: „Es gibt keine Kollektivschuld. Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln.“

Staatsstreich misslang

Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat in der „Wolfsschanze“, der Staatsstreich misslang.

Von Jonas Grimm (epd)