Semsrott: Matinee in Magdeburger Stadtbibliothek geplant
Magdeburg (epd).

Nach eigenen Angaben hat sich der Demokratie-Aktivist und Autor Arne Semsrott mit der Stadtverwaltung Magdeburg im Streit um eine Lesung in der Stadtbibliothek geeinigt. Nach der Absage für den 5. Juni solle nun am Morgen des 6. Juni eine Matinee in der Bibliothek stattfinden, sagte Semsrott der „Zeit“. Das sei das Ergebnis eines Treffens mit Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos).

Semsrott hatte der Stadtverwaltung vorgeworfen, die Verlegung seiner Lesung aus dem Buch „Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ sei auf politischen Druck vonseiten der AfD erfolgt. Oberbürgermeisterin Borris hatte das bestritten.

„Wahnsinnig wichtiges Zeichen“

Dass nun doch eine Lesung stattfinde, sei „ein wahnsinnig wichtiges Zeichen“, sagte Semsrott, der auch Chefredakteur des Rechercheportals „FragDenStaat“ ist, der „Zeit“: „Es zeigt, dass öffentlicher Druck wirkt und es sich lohnt, darum zu kämpfen, dass die öffentlichen Räume offen bleiben.“

Wie die „Zeit“ am Donnerstag online berichtete, bestätigte die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt als Veranstalterin der Lesung den neuen Termin. Geschäftsführerin Rebecca Plassa sprach demnach von einer „klärenden Aussprache mit der Stadtverwaltung“. Man schließe sich dem am Mittwoch vorgebrachten Vorschlag für einen Alternativtermin an. „Bibliotheken sind zentrale Orte der Demokratiebildung, des Meinungsaustauschs und der offenen Debatten - und in diesen Zeiten wichtiger denn je“, hob sie laut „Zeit“ hervor.

Oberbürgermeisterin Borris hatte eine Einflussnahme abgestritten, als bekannt geworden war, dass die für den 5. Juni geplante Veranstaltung von der Stadtbibliothek in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt werden soll. Magdeburg bleibe eine Stadt, „in der kontroverse Debatten möglich sind und in der Verwaltungshandeln nachvollziehbar, fair und verantwortungsvoll erfolgt“, sagte Borris. Sie könne nachvollziehen, wenn der Vorgang bei den Beteiligten als „irritierend, enttäuschend oder auch verletzend angekommen“ sei. Daher hatte sie zu einem klärenden Gespräch eingeladen.