Neue Erkenntnisse zu Repression im DDR-Bezirk Karl-Marx-Stadt
Chemnitz (epd).

Im ehemaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt sind bis in die 1980er Jahre Frauen und Mädchen zum Zweck der Repression zwangsweise in Hautkliniken eingewiesen worden. Anhand von Dokumenten sind jetzt geschlossene venerologische Stationen in Zwickau und Karl-Marx-Stadt sowie von 1983 an im erzgebirgischen Aue nachgewiesen worden, wie aus einem aktuellen Bericht des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz hervorgeht, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Die geschlossenen Stationen wurden laut den Unterlagen offenbar nicht durchgehend betrieben. Die statistischen Auswertungen für Karl-Marx-Stadt von 1964 bis 1990 zeigten allerdings Tausende Kontrollmaßnahmen. So seien 3.227 Frauen und 282 Männer als „Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern“ registriert worden.

Entwürdigende Untersuchungen über Monate

Damit seien sie über Monate hinweg wöchentlichen entwürdigenden Untersuchungen ausgeliefert gewesen. Rund 4.000 Menschen seien zudem zwangsweise zur Untersuchung geführt worden. Bei weniger als der Hälfte wurde laut Bericht tatsächlich eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert.

Diese Art der Repression sei ein Werkzeug zur Einschüchterung junger Frauen gewesen, hieß es. Die Zwangseinweisungen waren laut Bericht in ein Netzwerk von Kontroll- und Disziplinierungsmaßnahmen eingebunden, an dem staatliche wie medizinische Akteure gleichermaßen beteiligt gewesen seien. Geschlossene venerologische Stationen gab es auch in anderen Städten, etwa Leipzig, Dresden, Halle und Rostock.

Zu dem Thema ist derzeit im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis die Ausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei“ zu sehen.