Mit einer App vom Handy wegkommen
Berlin (epd).

Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) hat am Donnerstag in Berlin die App „freii“ zur bewussten Nutzung von Medien vorgestellt. Damit soll den Problemen der sozialen Medien, gefährlichen Inhalten sowie süchtig machenden Algorithmen, begegnet werden, sagte Streeck. Die App soll mittels eines 21-tägigen Programms aufklären, Impulse geben und wieder mehr „offline“ verbrachte Zeit fördern. Zudem gibt es einen Bereich für Eltern, durch den der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen begleitet. Die App richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren.

Streeck erklärte, Medien seien „nicht gut oder böse“, sondern böten auch enorme Chancen für das Lernen und die Weiterbildung. Allerdings würden sie schädliche Inhalte anbieten, wie Gewaltverherrlichung und den Zugang zu Drogen. Zudem solle die „freii“-App über die „manipulierenden“ Algorithmen, die hinter Anwendungen wie TikTok oder Instagram stehen, aufklären.

Eine Million Schüler bis 2028 erreichen

Programmleiter Daniel Ott sagte, die App solle dabei helfen, Medien und Freizeit in Einklang zu bringen. Das Projekt richte sich insbesondere auch an Schulen. Bis 2028 sollen eine Million Schülerinnen und Schüler erreicht werden.

Bei der Nutzung der „freii“-App im Schulkontext können Schülerinnen, Eltern und andere Erziehende gemeinsam Punkte für die Klasse sammeln. Punkte gebe es, wenn Videos und Audios genutzt, Quizfragen richtig beantwortet und Tage abgeschlossen werden. Die besten Klassen erhielten ein Preisgeld. Der tägliche Zeitaufwand betrage für Kinder und Jugendliche etwa drei bis sieben Minuten, im Bereich für Eltern rund zwei Minuten.

Durch das 21-tägige Programm führen vier junge „Guides“, die den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Diese erscheinen jeden Tag in einem Kurzvideo und geben Impulse, das eigene Verhalten zu reflektieren. Die App soll auch ein Ampelsystem beinhalten. Darüber lasse sich ablesen, ob sich die Nutzung im grünen, gelben oder roten Bereich befinde.

Kein „erhobener Zeigefinger“

Eine der Guides ist Melina Michel. Mit dem Prinzip der „Guides“ solle verhindert werden, dass die Vermittlung als „erhobener Zeigefinger“ herüberkomme, erklärte Michel. Es solle nicht um ein Social-Media-Verbot gehen: „Die bewusste Nutzung ist super, super wichtig.“ Für Erwachsene gibt es Infovideos der „Guides“, in denen Themen wie Gaming oder Social Media erklärt werden. Zudem sollen Gesprächsvorlagen Eltern helfen, wie sie heikle Themen ansprechen können.

Für Jugendliche soll umgekehrt auf dem TikTok-Kanal von „freii“ die „echte“ Welt wieder mehr in den Fokus gerückt werden. Die „Guides“ stellen sich Herausforderungen, sogenannten Challenges. Michel geht in einer „Challenge“ etwa mit Freunden in einem Wald wandern. Diese Herausforderungen sollen „inspirieren, die echte Welt zu erleben.“

Die kostenfreie App, die für Android- und Apple-Geräte verfügbar ist, wurde von der Villa Schöpflin, einem Zentrum für Suchtprävention in Lörrach, entwickelt. Die Entwicklungskosten hätten im niedrigen sechsstelligen Bereich gelegen, der Bund habe rund 70.000 bis 75.000 Euro für eine Effektstudie bereitgestellt.

Von Jonas Grimm (epd)