Jüdische Woche erstmals mit Bildungsangeboten für Schulen
Dresden (epd).

Unter dem Titel „Verflochten. Jüdische Gegenwarten in Europa“ wird vom 29. Oktober bis 5. November in Dresden zu einem Kultur- und Begegnungsfestival eingeladen. Die 29. Ausgabe der Jüdischen Woche bietet in und um das Societaetstheater rund 15 Veranstaltungen an, wie die Organisatoren am Montag in Dresden mitteilten. Laut Angaben der künstlerischen Leiterin Valentina Marcenaro richtet das Festival den Blick auf die Vielfalt jüdischer Erfahrungen und Perspektiven, die fest mit der europäischen Geschichte und Gegenwart verflochten seien.

Dem veranstaltenden Verein sei es wichtig, „Komplexität zuzulassen, vereinfachenden Zuschreibungen entgegenzutreten und zu zeigen, wie selbstverständlich und vielfältig jüdische Künstlerinnen und Künstler die zeitgenössische Kultur mitgestalten“. Das Programm reiche von andalusischen Klängen und jiddischer Musik über Theater, Tanz, Storytelling, Film und Performance bis zu einem „Besonderen Schabbat“ mit Kulinarik und Begegnung, hieß es.

Lehrplanbezogene Angebote

Jörg Flachowsky vom Veranstalterverein der Jüdischen Woche sagte, erstmals seien lehrplanbezogene Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler mit der Möglichkeit zum Austausch erarbeitet worden. Es gebe bereits Rückmeldungen, dass Klassen einzelne Veranstaltungen besuchen wollten. Damit werde das Festival auch zu einem Ort der Begegnung und des Lernens.

Das Programm werde nahezu ausschließlich von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern aus mehr als zehn Ländern gestaltet, etwa aus den Niederlanden, aus Spanien, Großbritannien, Israel, Marokko, dem Iran, den USA sowie aus Armenien und Russland. Es sei die Verantwortung des Festivals, ein Zeichen zu setzen, vor dem Hintergrund, dass jüdische Kunstschaffende derzeit oft ausgeladen würden, sagte Marcenaro.

Beste Waffe gegen Antisemitismus

Die Künstlerische Leiterin betonte zudem: „Die beste Waffe gegen Antisemitismus ist zu zeigen, dass Judentum und jüdische Kultur mehr ist als das Erbe der Schoah und der Staat Israel.“ Jüdische Perspektiven seien vielfältig. Ziel sei es, jüdische Gegenwartskultur sowie deren Künstlerinnen und Künstler nachhaltig sichtbar zu machen.

Erwartet wird unter anderem der palästinensisch-israelische Schauspieler und Tänzer Yousef Sweid. Er gestaltet einen Soloabend mit dem Titel „Between the River and the Sea“ zu Fragen der Herkunft und der Identität. Zum ersten Mal werde es außerdem eine Performance von Jugendlichen geben, die sich mit den Themen Schubladendenken und Sichtbarkeit beschäftige.

Tora-Schreiberin zieht um

Darüber hinaus ist die Schreiberin der neuen Dresdner Tora-Rolle, Liora Mendez, zu Gast. Sie wechselt während der Festivalzeit zum öffentlichen Schreiben in einen Pavillon am Societaetstheater. Die Musikerin Tatjana Davis gestaltet mit dem Schriftsteller Alexander Estis eine Lesung mit Musik unter dem Titel „Schlamassel Tov“.

Veranstaltet wird das Festival vom Verein Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden in Kooperation mit dem Societaetstheater. Der Etat beträgt laut den Veranstaltern 85.000 Euro. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 wird das Programm vom Land erheblich gefördert. Zum zweiten Mal findet das Festival im Societaetstheater statt.

Von Katharina Rögner (epd)