Die Zahl rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalttaten in Thüringen verharrt auf einem hohen Niveau. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 181 entsprechende Angriffe registriert worden, teilte die Opferberatungsstelle ezra am Mittwoch in Erfurt mit. Mindestens 292 Menschen seien direkt betroffen oder mit angegriffen worden, darunter 24 Kinder und 20 Jugendliche. Damit habe es rechnerisch weiterhin mehr als drei rechte Gewalttaten pro Woche gegeben.
Zwar sei der Höchststand des Vorjahres nicht erneut erreicht worden, teilte die Beratungsstelle mit. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige jedoch, dass sich rechte Gewalt seit dem Ende der Corona-Maßnahmen 2022 in Thüringen auf hohem Niveau verstetigt habe. Zudem lägen Hinweise auf weitere 83 Verdachtsfälle vor, die bislang nicht in die Statistik aufgenommen worden seien und nun geprüft würden.
Rassismus als häufigstes Tatmotiv
Rassismus blieb laut ezra mit 103 Angriffen das häufigste Tatmotiv und machte 57 Prozent aller registrierten Fälle aus. Es folgten Angriffe auf politische Gegnerinnen und Gegner mit 33 Fällen. Zudem dokumentierte die Beratungsstelle 16 queerfeindliche und zehn antisemitische Angriffe. Insgesamt registrierte ezra 99 körperliche Angriffe, darunter sieben schwere Körperverletzungen oder versuchte Tötungen sowie fünf Brandstiftungen.
Die meisten Taten ereigneten sich im öffentlichen Raum, in Verkehrsmitteln oder im Wohnumfeld der Betroffenen. Schwerpunkte waren Erfurt mit 35 und Jena mit 22 Angriffen. Nach Angaben der Beratungsstelle bleibt insbesondere Ostthüringen ein Hotspot rechter Gewalt.