Finanzielle Sorgen laut Umfrage im Zentrum
Berlin (epd).

Die Deutschen haben laut einer Umfrage nicht mehr Ängste als in den Jahren zuvor. Das „Angstniveau“ sei niedrig: Zu den 25 jährlich abgefragten Themen haben im Durchschnitt 38 Prozent der Befragten eine große Angst geäußert, geht aus der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie „Die Ängste der Deutschen“ im Auftrag der R+V-Versicherung hervor. Damit liege das Niveau nur zwei Prozentpunkte über dem Tiefstwert von 2021 (36 Prozent) und einen Prozentpunkt über dem Vorjahr (37 Prozent).

Insgesamt stünden vorwiegend finanzielle Sorgen im Zentrum. 59 Prozent der Befragten befürchteten, dass das Geld nicht mehr zum Leben reicht. Darauf folgen demnach Ängste vor Steuererhöhungen (53 Prozent), vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete (52 Prozent), vor einer schlechteren Wirtschaftslage (51 Prozent) und vor teurem Wohnen (50 Prozent).

Klimawandelangst niedriger als im Vorjahr

Gerade die Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage sei sprunghaft angestiegen. Lag sie im Vorjahr mit 41 Prozent noch auf Platz zehn, so belege sie in diesem Jahr mit 51 Prozent den vierten Platz. Diese Veränderung sei eine Art Frühwarnsystem, erklärte die Marburger Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki: „Der Anstieg dieser Angst markiert einen kollektiven Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Zukunft des Landes.“

Abgenommen habe die Sorge vor dem Klimawandel und dessen Auswirkungen wie Naturkatastrophen. 30 Prozent der Befragten hätten Angst vor dem Klimawandel (Platz 20). Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Sorge damit um sieben Prozentpunkte ab. Geringer falle die Furcht vor Naturkatastrophen aus, diese spürten nur 27 Prozent der Menschen (Platz 21), 2025 seien es noch 36 Prozent gewesen. „Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen wird das Gefühl der Angst offenbar durch Resignation überlagert“, erklärte Borucki.

Gewöhnungseffekt bei weltpolitischen Sorgen

Im Vergleich zwischen den Altersgruppen liege die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten bei allen Befragten ab 20 Jahren auf dem ersten Platz. Zwischen 14 und 19 Jahren dominiere die Angst vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete.

Die Weltpolitik spiele über alle Altersgruppen hinweg nur eine untergeordnete Rolle. „Nach Jahren permanenter geopolitischer Alarmmeldungen tritt hier ein Gewöhnungseffekt ein“, folgerte Borucki. Der Blick der Bevölkerung sei eher nach innen gerichtet.

Vertrauensverlust in Politik

48 Prozent der Befragten fürchten laut Umfrage, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 42 Prozent. Dies zeige einen „deutlichen Vertrauensverlust“. Auch die Sorgen rund um Themen der Migration stiegen demnach an. Mit 52 Prozent liege die Angst vor einer staatlichen Überforderung durch Geflüchtete auf dem dritten Platz. Im Vorjahr gaben demnach 49 Prozent diese Angst an. Auf Platz sieben landete die Angst, dass weiterer Zuzug aus dem Ausland zu Spannungen führe (47 Prozent). 2025 hatte sie bei 45 Prozent gelegen.

Die repräsentative Umfrage findet den Angaben nach jährlich seit 1992 statt, in diesem Jahr zum 35. Mal. Rund 2.400 Menschen ab 14 Jahren werden in persönlichen Interviews nach ihren Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit befragt.

Von Linn Manegold (epd)