Sie heißen „Elli“ und „Limited“ und suchen künftig nach Handys. Datenträger aller Art sind in den Gefängnissen der Hauptstadt verboten. Die beiden belgischen Schäferhunde sind der jüngste Zugang zur Hundestaffel der Berliner Justizvollzugsanstalten.
„Wir mussten sehr viel Käse und Wurst investieren“, sagt der Hundeführer von „Limited“ über die gemeinsame Ausbildungszeit. Mehrere Monate dauerte das Training. Am Donnerstag wurden die jüngsten Mitglieder der Hundestaffel der Berliner Gefängnisse der Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) und zahlreichen Journalisten präsentiert.
Zu Hause beim Hundeführer
„Elli“ und „Limited Edition vom roten Drachen“, wie sein Partner mit vollständigem Namen heißt, leben nach Feierabend künftig im Haushalt ihrer Hundeführer. Deren Namen werden aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt.
Bei ihrer Vorstellung geben die belgischen Schäferhunde der Rasse „Malinois“ keinen Mucks von sich. Die vielen Menschen in dem kleinen Raum sind ein ungewohnter Anblick. Die beiden Hundeführer halten sie an der kurzen Freizeitleine, denn nach diesem Termin haben alle Feierabend.
Der Berliner Justiz sollen künftig sechs Spürhunde für Einsätze in Gefängnissen zur Verfügung stehen. Zwei Drogen-Spürhunde mit Sinn für Kokain oder Cannabis gibt es schon. Die beiden Neuen sind auf Mobiltelefone, Speicherkarten, USB-Sticks und Ähnliches trainiert. Je ein Betäubungsmittel- und ein Datenträger-Spürhund sollen später noch dazu kommen.
Mehr als 1.000 Telefone beschlagnahmt
Laut Gesetz ist es Strafgefangenen verboten, Mobilfunkendgeräte zu besitzen. Telefongespräche sind nur durch Vermittlung der jeweiligen JVA möglich. Badenberg zufolge wurden im vergangenen Jahr in den Vollzugseinrichtungen mehr als 1.000 Mobilfunktelefone sichergestellt. Es handele sich dabei um ein konkretes Sicherheitsproblem, da Inhaftierte per Telefon ihre Kontakte ins kriminelle Milieu aufrechterhalten könnten.
„Elli“ und „Limited“ sind künftig in der JVA Tegel stationiert. Ihre Einsätze - bislang 84 - führen sie aber auch in die anderen Einrichtungen in der Stadt. Die Hauptstadt verfügt über sieben JVA und eine Jugendarrestanstalt, verteilt auf 13 Standorte. Insgesamt gibt es rund 4.200 Haftplätze, rund 850 alleine in der JVA Tegel. Sie ist damit eines der größten Gefängnisse in Deutschland.
Spürhund-Einsätze in Berliner Gefängnissen gibt es laut Senatsjustizverwaltung schon seit Jahren. Bislang wurden die speziell geschulten Tiere aber von der Polizei ausgeborgt. Mit eigenen Hunden im Justizvollzug könne die Zahl der Kontrollen erheblich erhöht werden, hofft die Senatsjustizverwaltung.
Nur wenige Geruchsmoleküle
„Elli“ und „Limited“ wurden von Anfang September bis Mitte Dezember vergangenen Jahres im Ausbildungszentrum Schalksmühle in Nordrhein-Westfalen ausgebildet. Der Job der agilen und neugierigen Spürhunde ist dabei nicht einfach: Während etwa Cannabis einen starken Eigengeruch hat, ist das bei Datenträgern anders. Mobiltelefone, USB-Sticks oder SIM-Karten senden aber auch Geruchsmoleküle aus. Ob die bei der Herstellung entstehenden chemischen Verbindungen oder die verwendeten seltenen Erden von Spürhunden erkannt werden, ist noch unklar, sagt einer der Hundeführer in der typischen blauen Uniform der Justizvollzugsbeamten.
Klar ist: Im Vergleich zu Drogen-Spürhunden ist die Suche nach Handys für die kurzhaarigen Vierbeiner erheblich mühsamer. Demnach werden sie auch nicht genauso lange wie ihre Kollegen von der Drogenfahndung eingesetzt. Ihre „Nasenarbeit“ strenge deutlich stärker an. Als Faustregel gilt: 20 Minuten Spürarbeit, dann mindestens 20 Minuten Pause. Speicherkarten und USB-Sticks seien oft sehr gut in Gegenständen oder Textilien verbaut, sagt Badenberg.
Seit rund 100 Jahren gibt es in Deutschland das sogenannte Diensthundewesen. Denn trotz modernster Technik werde auch heute noch das Gespür des Hundes gefordert. Die eingesetzten Hunde helfen nicht nur bei der Suche nach Drogen und Handys. Sprengstoff, Leichen, Blutspuren, Tabak oder Brandbeschleuniger stehen ebenso auf deren Liste. Aktuell sind bei der Polizei in der Hauptstadt rund 130 Diensthunde im Einsatz.
Badenberg erhofft sich auch eine präventive Wirkung durch die Anschaffung der vierbeinigen Spezialisten. Die Gefangenen reagieren sehr unterschiedlich darauf. Manche streicheln die Hunde bei Kontrollen, andere weichen zurück, erzählt der Hundeführer von „Limited“.