Der Kabarettist Dieter Nuhr ist mit dem höchsten Preis des Zentralrats der Juden ausgezeichnet worden. Der Leo-Baeck-Preis, der in der Vergangenheit schon an mehrere Bundespräsidenten und Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) ging, wurde am Mittwochabend in Berlin feierlich übergeben. Nuhr erhält die Auszeichnung laut Begründung des Zentralrats für sein Eintreten gegen Antisemitismus und für den Staat Israel. Nuhr decke Doppelstandards auf, „denen die deutsche Medienlandschaft bei diesen Themen oftmals unterliegt“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster bei der Festveranstaltung.
„Sie treffen damit auch Ihre Kollegen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, ergänzte Schuster, der seine Eröffnungsrede für grundsätzliche Medienkritik nutzte. Er verwies auf Berichte, in denen vermutet wurde, dass Deutschlands Haltung zu Israel ein Grund für das Scheitern bei der Wahl für den UN-Sicherheitsrat in der vergangenen Woche gewesen sein könnte.
Schuster: „Obsession mit dem jüdischen Staat“ in Medien
Österreich, das nun den Platz einnehme, falle seit Langem mit seiner entschlossenen Haltung für Israel auf, „entschlossener als Deutschland selbst“, sagte Schuster. Die Erklärung in diesen Berichten offenbare damit „nur eines“, sagte Schuster: „Die Obsession mit dem jüdischen Staat, die in unseren Medien so weit verbreitet ist.“
Nuhr, der mit seinen satirischen Beiträgen in der Vergangenheit für teils heftige Kontroversen sorgte, sei als Kabarettist streitbar, sagte Schuster. Er bekomme den Preis aber nicht für seinen Humor oder die Zusammenstellung seiner Programme. Er sei standhaft bei seiner Haltung zu Antisemitismus und Israel und halte damit den Kolleginnen und Kollegen einen Spiegel vor, sagte Schuster.
Nuhr „stolz“
Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour sagte, Nuhr nenne Antisemitismus auch so. Dass er ausgezeichnet werde, zeige, dass „das Selbstverständliche außergewöhnlich geworden ist“. Das sei „bitter“, sagte Mansour in seiner Laudatio. Er würdigte Nuhr als Kabarettisten, der den Mut habe, „Themen zu denken, die kaum noch jemand anzusprechen wagt“. Als Beispiele nannte er Klima-Aktivismus, Cancel Calture und den Krieg im Nahen Osten. Bei vielen dieser Themen war Nuhr in der Vergangenheit angeeckt.
Nuhr selbst sagte, der Preis mache ihn stolz. Es sei zugleich etwas „gruselig“, dass man einen Preis dafür bekomme, „kein Antisemit zu sein“, sagte er und beklagte Antisemitismus in der Kulturszene. In Berlin gelte in dem Bereich Antisemitismus „als folkloristische Eigenschaft“, sagte Nuhr.
Mit dem Leo-Baeck-Preis werden seit 1957 Persönlichkeiten geehrt, die sich nach Ansicht des Zentralrats in herausragender Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern gehören unter anderem die früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1994), Roman Herzog (1998) und Christian Wulff (2011). Zuletzt ging die Auszeichnung vor zwei Jahren an den damaligen Geschäftsführer und heutigen Präsidenten von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke. Der Preis erinnert an den Rabbiner Leo Baeck (1873-1956).