Bündnis setzt AfD-Parteitag in Erfurt ein Demokratiefest entgegen
Erfurt (epd).

Das Bündnis Zusammenstehen hat für die Zeit des AfD-Bundesparteitags in Erfurt am ersten Juli-Wochenende einen entschlossenen, friedlichen und demokratischen Protest angekündigt. Die Thüringer Landeshauptstadt werde zwischen dem 3. und 5. Juli in ein großes Demokratiefest für gesellschaftlichen Zusammenhalt verwandelt, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, am Mittwoch in Erfurt. Es gehe dem Bündnis nicht darum, den Parteitag zu verhindern.

In der Innenstadt wird es am ersten Juli-Wochenende eine Fülle von Aktionen und Angeboten für demokratisches Engagement geben. Zentrale Orte mit ganztägigen Aktionen seien der Anger, der Hirschgarten und der Theaterplatz. Mehrere Innenstadtkirchen beider Konfessionen seien geöffnet. Zudem soll ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden.

Aufruf zu friedlichen Protesten

Die Thüringer Sicherheitsbehörden schließen gewalttätige Auseinandersetzungen im Umfeld des Parteitages nicht aus. Aufgrund unterschiedlicher Interessen und verschiedener Formen des Protests und Verhaltens könne es zu Vorfällen kommen, die strafrechtlich relevant sind. Die Einsatzkräfte seien daher mit einem verstärkten Aufgebot in der gesamten Innenstadt präsent, teilte die Landespolizei mit.

Erschwert werde die polizeiliche Lage zusätzlich durch lange geplante Konzerte von Roland Kaiser und Clueso auf dem Domplatz am Freitag beziehungsweise Samstag. Auch ein Viertelfinalspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft am Samstagabend sei möglich.

Das Bündnis Zusammenleben rechnet mit mehreren zehntausend Teilnehmern und Teilnehmerinnen an den verschiedenen Gegendemonstrationen des Wochenendes. Zugleich riefen die Organisatoren alle Unterstützer zu friedlichen Protesten auf. Jede Form von Gewalt sei zu verurteilen, sagte Rudolph.

NS-Parteitag vor hundert Jahren in Erfurt

Rudolph nannte die Wahl des Tagungsortes der AfD einen bewussten symbolischen Akt. Dieser beziehe sich auf die historische Parallele vom Reichsparteitag der NSDAP im Juli 1926. Vor genau 100 Jahren sei es der NS-Führung darum gegangen, die damals zerstrittene Partei zu vereinen. Üblicherweise würden Bundesparteitage in Länder gelegt, in denen gewählt werde. Die AfD habe sich gegen einen Bundesparteitag in Sachsen-Anhalt entschieden.

Das Bündnis Zusammenstehen ist ein überparteiliches Netzwerk aus Gewerkschaften, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Wohlfahrtsverbänden, Initiativen, Vereinen sowie engagierten Einzelpersonen. Den Angaben zufolge setzt es sich für die Verteidigung demokratischer Grundwerte, der Menschenwürde und des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein.

Von Matthias Thüsing (epd)