Bündnis kritisiert Kampagne "Kufiyas in Buchenwald"
Weimar, Frankfurt (epd).

Ein Bündnis von 17 Organisationen fordert, die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ zu stoppen und die KZ-Gedenkstätte vor politischer Instrumentalisierung zu schützen. Der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald dürfe nicht für antijüdische Agitation missbraucht werden, erklärten die Unterzeichnenden in einer am Sonntagabend veröffentlichten Stellungnahme. Die angekündigten Protestaktionen der maßgeblich von linksextremen Kräften organisierten Kampagne müssten mit allen rechtlich zulässigen Mitteln unterbunden werden.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören etwa das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender, das American Jewish Committee Berlin, die Deutsch-Israelische Gesellschaft sowie die Jüdische Landesgemeinde Thüringen. Deren Vorsitzender Reinhard Schramm betonte, Buchenwald sei ein Ort, der für viele Juden die meist fehlenden Gräber ihrer ermordeten Angehörigen ersetze. „Wir lassen uns Buchenwald nicht von Antisemiten entweihen“, sagte Schramm.

Streit bereits vor Gericht

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Streit um das Tragen der auch als Palästinensertuch bekannten Kufiya gegeben. Das Kleidungsstück gilt als Symbol palästinensischer Identität und des Widerstands gegen die israelische Besatzung. Thüringens Beauftragter gegen Antisemitismus, Michael Panse, betonte, das Tuch werde in bestimmten politischen Spektren auch erkennbar als Symbol einer israelfeindlichen Haltung verwendet.

Die Gedenkstätte Buchenwald hatte daher am Tag der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers im April 2025 eine Frau nicht auf das Gelände gelassen, die die Kufiya nach eigenen Angaben ausdrücklich als politisches Statement gegen den Staat Israel einsetzen wollte. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht in Jena bestätigte im Juli diese Entscheidung. Das Interesse der Stiftung, ihren Stiftungszweck als Friedhof und Mahnmal zu wahren, überwiege in diesem Gedenkkontext das Recht auf individuelle politische Selbstdarstellung.

Angriff auf Würde des Gedenkorts

Nach Angaben der Initiatoren plant die israelkritische Kampagne für den 11. und 12. April eigene Veranstaltungen gegen die „Kriminalisierung palästinensischer Symbole“ an der Gedenkstätte Buchenwald, abseits des offiziellen Programms. Vorgesehen sind unter anderem ein Rundgang durch das ehemalige Lager, Vorträge, eine Podiumsdiskussion sowie eine Mahnwache am Glockenturm des Mahnmals. Unterstützt wird die Kampagne von der Kommunistischen Organisation sowie verschiedenen linken und antizionistischen Gruppen. Auch die Parteizeitung der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands berichtete wohlwollend über die Kampagne.

Jüdische Organisationen sehen in „Kufiyas in Buchenwald“ einen Angriff auf die Würde des Erinnerungsortes. In ihrer Stellungnahme verweisen sie auf Verbindungen einzelner beteiligter Gruppen zu Organisationen, die den Terror der Hamas relativiert hätten.

Ein Sprecher der Gedenkstätte Buchenwald betonte, ein generelles Verbot des Tragens von Palästinensertüchern auf dem Gelände gebe es nicht. Die Gedenkstätte betrachte die Kufiya nicht per se als antisemitisch. Entscheidend sei, wer ein solches Tuch trage und mit welcher Intention.

Von Matthias Thüsing (epd)