Der schwarz-rote Senat in Berlin kann sich weiterhin nicht auf eine Neuregelung des Religionsunterrichts an den Schulen der Hauptstadt einigen. Im Koalitionsvertrag von 2023 hatten CDU und SPD verabredet, ein „Wahlpflichtfach Weltanschauungen/Religionen“ als ordentliches Lehrfach einzuführen. Das wird bis zum Ablauf der Legislaturperiode im September wohl nicht mehr umgesetzt, wie den Worten vom Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nach einem Treffen von Senat und evangelischer Kirche am Dienstag zu entnehmen war.
„Wir sind uns auf der Zielgraden nicht einig geworden“, sagte Wegner: „Es bleibt aber mein klares Ziel, wir brauchen einen wertegebundenen Religionsunterricht.“ Dafür werde er weiter eintreten. Das könnte das Brandenburger Modell eines Schulfaches Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) oder ein Wahlpflichtfach sein, in dem sich Schülerinnen und Schüler zwischen Unterrichtsangeboten verschiedener Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften entscheiden können. „Für beides bin ich offen“, sagte der Regierende.
„Können uns vertrauen“
Senat und Kirche treffen sich regelmäßig zu Konsultationen, um sich auszutauschen. Das Treffen am Dienstag mit dem Berliner Bischof Christian Stäblein stand vor allem im Zeichen des 20-jährigen Jubiläums des Evangelischen Kirchenvertrages Berlin, der 2006 von Senat und Landeskirche unterzeichnet worden war. „Nach 20 Jahren können wir bilanzieren: Unser Staatsvertrag hat sich bewährt“, sagte Wegner: „Es hat sich gezeigt, dass wir uns gegenseitig aufeinander verlassen und uns vertrauen können:“
Die Evangelische Kirche leiste eine wichtige Arbeit für den sozialen Zusammenhalt und für die Demokratie in Berlin. „Viele Menschen in der Kirche engagieren sich ehren- oder hauptamtlich um andere Menschen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dafür kann ich gar nicht genug Danke sagen“, sagte Wegner.
So stelle die Evangelische Kirche viele kirchliche Räume für die verschiedensten Vereine und Initiativen zur Verfügung und lade sie ein, diese Kirchen zu nutzen. „Damit macht die Evangelische Kirche diese Räume zu Orten der Begegnung, des Dialogs und des bürgerschaftlichen Engagements“, sagte Wegner: „Diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit wollen wir auch im Bereich der Bildung, der Seelsorge und der sozialen Arbeit fortsetzen.“
„Sorge für die Seelen dieser Metropole“
Der Berliner Bischof Christian Stäblein betonte, „wir verstehen den Kirchenvertrag als Auftrag für uns für Engagement in der Stadt“. Die Zukunft der Gemeinschaft sei dabei nicht allein eine Frage der guten Wirtschaft, sondern auch eine von Halt und Orientierung. Die Kirche investiere deshalb unter anderem in Kitas und Schulen. „Der Religionsunterricht ist für uns dabei eine zentrale Wegmarke“, sagte der Bischof: „Er stärkt Dialogbereitschaft und Friedensfähigkeit.“
Bei der gemeinsamen Nutzung von Kirchengebäuden sei Berlin „eine Vorreiterin“, sagte Stäblein weiter. Das Land begreife das als eine gemeinsame Aufgabe. „Unsere Aufgabe ist die Sorge für die Seele und die Seelen in dieser Metropole. Dafür ist die evangelische Kirche gerne da“, sagte der Bischof weiter.