589 queerfeindliche Vorfälle in Brandenburg
Potsdam (epd).

Queerfeindliche Vorfälle haben in Brandenburg einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren zugenommen. 2025 seien insgesamt 589 Fälle erfasst worden, fast 17 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es im Monitoringbericht 2025 der Potsdamer Fachstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, der in Kürze veröffentlicht werden soll und dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Davon seien 753 Menschen betroffen gewesen.

Beleidigungen seien mit 111 Fällen am häufigsten dokumentiert worden, heißt es in dem Bericht. Danach folgen Sachbeschädigungen mit 72 Fällen, Nötigungen und Bedrohungen mit 69 Fällen sowie Fremdouting mit 61 Fällen. Auch 48 einfache und 38 schwere Körperverletzungen wurden verzeichnet. Insgesamt 308 Fälle hätten einen rechtsmotivierten, 106 einen religiös-christlichen und 19 einen religiös-muslimischen Hintergrund gehabt. 54 Fälle hätten mit familiären Konflikten im Zusammenhang gestanden.

Verschärfung der Lage

Die erfassten Fallzahlen seien zuvor von 187 im Jahr 2022 auf 421 im Jahr 2023 und 503 im Jahr 2024 gestiegen, heißt es weiter. Damit wurde der niedrigste Stand der vergangenen sechs Jahre 2022 verzeichnet. Davor wurde ein Anstieg von 222 Fällen im Jahr 2020 auf 340 Fälle im Jahr 2021 erfasst.

Die Zunahme der Fallzahlen im vergangenen Jahr sei Ausdruck einer realen Zunahme queerfeindlicher Diskriminierung und Gewalt und damit einer Verschärfung der Lage, betonen die Verfasser. Zum anderen sei sie auf eine seit 2024 erweiterte Datengrundlage zurückzuführen. Durch die systematische Einbeziehung zusätzlicher Meldewege hätten 2025 mehr Vorfälle erfasst werden können als zuvor. Dadurch sei das Dunkelfeld verringert worden.

Die Dokumentationsarbeit zeige deutlich, dass gesellschaftliche Entwicklungen einen unmittelbaren Einfluss auf das Erleben von Sicherheit und Anerkennung hätten, betont die Fachstelle: „Nach einer Phase relativer Liberalisierung und wachsender Sichtbarkeit queerer Lebensweisen im vergangenen Jahrzehnt beobachten wir in den vergangenen Jahren eine zunehmende Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas.“

Normalisierung abwertender Haltungen

Besonders das Erstarken wertkonservativer, rechter und rechtsextremer Strömungen gehe mit einer Normalisierung abwertender Haltungen einher, heißt es im Bericht: „In der Folge verzeichnen wir einen deutlichen Wiederanstieg queerfeindlicher Diskriminierung und Gewalt.“

Diese Entwicklung sei nicht nur Ausdruck individueller Vorfälle, sondern spiegele tiefere gesellschaftliche Spannungen wider. Die Zahlen zeigten, „dass queerfeindliche Diskriminierung und Gewalt keine randständigen oder sporadischen Phänomene darstellen, sondern für viele Betroffene zum Alltag gehören“.

Die meisten Vorfälle, insgesamt 70, wurden den Angaben zufolge im Landkreis Spree-Neiße erfasst, gefolgt von Cottbus mit 53 sowie Potsdam und dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit jeweils 49 Fällen. Damit betreffe mit 172 Fällen ein erheblicher Teil der dokumentierten Vorfälle die Lausitz. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl steht mit 71,8 Vorfällen je 100.000 Einwohnern die Stadt Frankfurt an der Oder an der Spitze. Danach folgt mit 63,8 Vorfällen je 100.000 Einwohnern der Landkreis Spree-Neiße.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)