Expertin: Zukunftsfähige Landwirtschaft trotzt dem Klimawandel
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Expertin: Zukunftsfähige Landwirtschaft trotzt dem Klimawandel
Oldenburg (epd).

Die Klimaschutzreferentin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Wiebke Schumacher, sieht in den Folgen des Klimawandels auch Chancen für die Landwirtschaft. Dazu gehöre die Bereitschaft zur Veränderung auf den Höfen, sagte sie in Oldenburg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die sei vorhanden: „Die landwirtschaftlichen Betriebe mussten sich seit jeher an klimatische Veränderungen anpassen, nun jedoch in einem enormen Tempo.“

Eine Möglichkeit dem Klimawandel zu begegnen, sei die Züchtung neuer resilienter Sorten und Arten, die besser mit Trockenheit und Hitze klarkommen, sagte die Expertin. Dazu forsche die Landwirtschaftskammer auf speziellen Versuchsflächen. Erfolge gebe es bereits, etwa bei Getreide, Mais, Raps und Zuckerrüben. Doch das benötige Zeit. „Und der Klimawandel schreitet schneller voran, als die Züchtungen sich anpassen können.“

Neue Sorten und Kulturen

Deshalb sei es sinnvoll, schon jetzt zu prüfen, ob neue Sorten und Kulturen eine Alternative bieten, um der Trockenheit zu begegnen und die Flächen vielfältiger zu bestellen. Kulturen, wie Süßkartoffeln und Sojabohnen hätte sich bereits auch in Norddeutschland etabliert. „Zwar werden sie noch nicht in großen Mengen angebaut. Aber der Markt ist regional da“, sagte Schumacher. Auch Futterpflanzen wie die Luzerne seien geeignet: Die eiweißreiche Kulturpflanze liefere hochwertiges Futter und verbessere den Boden. Weil die Wurzeln der Luzerne mehrere Meter tief reichten, seien sie unempfindlicher gegen Trockenheit als andere Futterpflanzen.

Um dem Klimawandel zu begegnen, sei es zudem entscheidend, Wasser auf den Feldern und Äckern zu halten, erläuterte die Expertin. Sinkende Grundwasserpegel ließen die Pflanzen leiden. Trockenheit und mehr Wind führten zu zunehmender Erosion. „Die fruchtbare Erde trocknet aus und wird verweht.“

Bäume können Wind auf den Feldern bremsen

Bundesweit werde deshalb an sogenannten Agroforst-Systemen geforscht. Dabei werden etwa auf Äckern Bäume in langen Reihen gepflanzt. Die Bäume bremsen Schumacher zufolge den Wind aus, spenden Schatten und verbessern das Mikroklima. Ihre Wurzeln fördern die Wasserspeicherung im Boden und verringern die Bodenerosion. Dadurch trockneten die Böden weniger schnell aus und die angebauten Kulturen könnten ihren Wasserhaushalt besser regulieren.

Die Baumreihen stehen laut Schumacher in so großen Abständen, dass große Maschinen wie Mähdrescher bei der Ernte trotzdem wirtschaftlich arbeiten können. Denn die Wirtschaftlichkeit dieser Systeme sei oft eine Herausforderung, sagte die Expertin. Doch gebe es bereits ökonomisch tragbare Konzepte. Zudem sorgten die Bäume für weitere Einnahmen. Schnellwachsende Bäume wie Pappeln könnten bereits nach einigen Jahren geerntet werden. Je nach Standort könnten auch Walnussbäume eine gute Alternative sein, deren Früchte ebenfalls vermarktet werden können.

Bauern könnten profitieren

Der Klimawandel könne Bauern sogar Vorteile bescheren, wenn es gelingt, Wasser auf den Feldern zu halten, betonte Schumacher. Die durch den Klimawandel verlängerte Vegetationsphase ermögliche teilweise frühere Ernten und vielleicht auch den Anbau einer zweiten Hauptfrucht.

Für Verbraucher wird sich Schumacher zufolge die Angebotsvielfalt im Supermarkt absehbar kaum verändern. „Wir werden auch in den nächsten Jahren voraussichtlich mengenmäßig genug im Supermarktregal liegen haben. Einzelne Produkte könnten jedoch teurer werden.“ Dies betreffe hauptsächlich Milch, Fleisch, Obst, Gemüse oder Kartoffeln, deren Erzeugung stark von ausreichenden Niederschlägen und stabilen Erträgen abhänge.

epd-Gespräch: Jörg Nielsen